Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

177

damals überhaupt noch den guten Grundsatz, möglichst viel im Plenumzu verhandeln.

Gewissermaßen als ein Ersatz für die Kommissionsberatung bildetesich nun einefreie Kommission" znr Besprechung des Münzgesetzentwurfs,an welcher sich jeder Abgeordnete beteiligen konnte. An ihren Sitzungennahmen hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, Mitglieder der national-liberalen Partei teil, und die von ihr beschlossenen Abänderungsanträgetrugen den Namen Bambergers.

Bei den Verhandlungen im Plenum kam es bei den ersten Para-graphen, welche den Feingehalt der Reichsgoldmünzen und die künftigeRechnungseinheit bestimmten, noch einmal zu einem Streit über nationaleoder internationale Münzreform. Mohl brachte einen Antrag auf An-nahme des Frankensystems mit einer Hauptgoldmünze von 25 Franken ein.

Alle Punkte für und gegen eine internationale Münzeinigung, welchewir ausführlich behandelt haben, wurden nochmals eingehend erörtert.

In Anbetracht der geringen Aussichteu eiues wirklichen Weltmünz-vereins und in Berücksichtigung der schweren Bedenken gegen einen inter-nationalen Münzvertrag, erschien es der großen Mehrheit des Reichstagsangezeigt, in Übereinstimmung mit der Reichsregierung, dem Bundesratund der öffentlichen Meinung, auf einen internationalen Anschluß zuverzichten und bei der Wahl der neuen Rechnungseinheit die deutschenVerhältnisse den Ausschlag geben zu lassen. Der Thaler als Rechnungs-einheit blieb dabei aus den bekannteil Gründen völlig außer Betracht;man schwankte, wie im Bundesrat, hauptsächlich zwischen dem Gulden( 2/g Thaler) und der Mark. Für den Gulden wurde namentlichangeführt, daß der Süddeutsche mit ihm besonders vertraut sei, da durchden Zwangskurs in Österreich große Massen österreichischen Silbergeldesnach Deutschland gekommen seien; daß ferner der österreichische Silber-gulden in Süddeutschland überall gerne genommen werde, was man vonden Teilstücken des Thalers nicht behaupte!? könne. Mit Recht machteCamphausen diesen Argumenten gegenüber darauf aufmerksam, daß derösterreichische Silbergulden und ein künftiger deutscher Goldguldeu nichtidentisch sein würden. Schließlich glaubte man vielfach, durch An-nahme des Guldens radikal verhindern zu können, daß der Thaler mitin das neue System hinübergenommen werde.

Die große Mehrheit entschied jedoch für die Mark. Der Antrag,

Helfserich, Geschichte der Geldresorm.

12