Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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welcher den Gulden an ihre Stelle setzen wollte, erhielt nur 93 gegen196 Stimmen.

Ähnliche Debatten entspannen sich darüber, ob die Mark in10 Groschen und der Groschen in 10 Pfennige, oder ob ohne Vermitte-lung des Groschens die Mark direkt in 100 Pfennige eingeteilt werdensolle ein ziemlich sinnloser Streit um Namen. Abermals ein kleinerKampf gegen die preußischen Thalertraditionen, welchen man auch imGroschen entgegentreten wollte, und der Groschen verschwand aus demMünzgesetz; aus dem praktischen Verkehr ist sein Name allerdingswenigstens in Norddeutschland heute noch nicht ganz verschwunden,ohne daß dadurch das Funktionieren unseres neuen Geldwesens gestörtworden wäre.

Am schärfsten spitzte sich der Kampf um Mark und Thaler zu beider Erörterung über das vorgeschlagene Dreißigmarkstück. Zwei An-träge, der eine von Bamberger, der andere von Mohl, verlangten über-einstimmend dessen Beseitigung. Der deutsche Unitarier ging hier Handin Hand mit dem süddeutschen Partikularisten, der erstere, weil er dasMarksnstem als solches rein durchführen wollte, der letztere, weil er dempreußischen Partikularismus nicht gönnte, was dem schwäbischen Par-tikularismus versagt war.

Vom Regierungstisch aus wurde das Dreißigmarkstück mit großemEifer verteidigt. Als erster legte Delbrück ein Wort für dasselbe ein.Der Kaiser hatte ihm vor der Verhandlung die Verteidigung dieses Stückesganz besonders anbefohlen. Aber Delbrück sprach wenig glücklich. Erbehauptete die Unentbehrlichkeit dieser Münze für den Verkehr, welchevon Bamberger sofort durch einen Hinweis auf Frankreich und England widerlegt wurde. Sodann griff Bismarck in die Debatte ein derFall wiederholte sich bei der Beratung dieses Gesetzes nur noch einmal.Er erklärte das Dreißigmarkstück für unentbehrlichals Übergangs-stadium".Man wird noch jahrelang das Bedürfnis haben," sagte er,nach Thalern zu rechnen. Wer hundert Thaler zu zahlen hat, demwird es noch lange ein Bedürfnis sein, das in zehn in hundert Thalergerade aufgehenden Stücken zu thun." Aber die Gegner fürchteten, durchdas Dreißigmarkstück dem Publikum den Übergang so bequem zu machen,daß es gar nicht vorwärts kommen kann". Auch Geheimrat Mein ecketrat zur Verteidigung des Dreißigmarkstückes auf, und bei der drittenLesung machte Camphausen einen letzten Versuch es zu retten. Ver-geblich !