Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Mit der Ablehnung dieses Münzstückes war das Marksystem involler Reinheit hergestellt, und seine deutlichsten Anklänge an das Thaler-system waren beseitigt.

Wir kommen nun zur staatsrechtlichen Frage.

Bei der Generaldebatte ging man über diese Seite des Gesetz-entwurfes, um welchen sich die heftigsten Kämpfe entspinnen sollten, fastachtlos hinweg. Daß nur vorläufig die Ausprägung der Reichsgold-münzen auf Kosten des Reichs erfolgen sollte, daß die Aufrechterhaltungdes Münzfußes durchaus als Sache der Einzelstaaten behandelt war,daß die Landesgoldmünzen, und in Konsequenz dessen natürlich auch dieLandessilbermünzen, auf Kosten der Einzelstaaten, welche sie geprägt,eingezogen werden sollten das alles blieb fast unbemerkt. Es scheintfast, als ob die Tragweite dieser Bestimmungen seitens der Abgeordnetennicht ganz erkannt worden wäre, und als ob erst die Äußerungen despreußischen Finanzministers und anderer Bundesrats-Bevollmächtigterwährend der ersten Lesung volles Licht über das Wesen dieser Be-stimmungen verbreitet hätten. Camphausen erklärte mit aller Deutlich-lichkeit, die verbüudeten Regierungen seien der Ansicht,daß es Sachejedes Staates sein muß, die Münzen, die von ihm in Zirkulation gesetztsind, auch auf seine Kosten aus der Zirkulation herauszuziehen".Trotzdem blieb bei der Generaldebatte dieser wichtige Pnnkt unbeachtet.

Dagegen erregte die rein formelle Frage des Gepräges der neuenMünzstttcke bereits bei der ersten Lesung einen gelinden Sturm. GrafMünster, der jetzige Botschafter in Paris , protestierte mit großemnationalen Pathos gegen den Vorschlag, daß die Reichsgoldmünzeu dasBildnis des Landesherru tragen sollten, aus dessen Münze sie hervor-gegangen seien.Die erste Münze des Kaiserreichs," sagte er,isteine Denkmünze der größten Epoche deutscher Geschichte, und auf dieserMünze darf das Bildnis des Gründers, des Mehrers des Reiches nichtfehlen."

Sofort erhob sich der bayerische Bevollmächtigte und nach ihm dersächsische, um iu aller Schärfe und Deutlichkeit ihren bereits im Bundesrateingenommenen Standpunkt zu präcisieren, und um den Reichstag vorden Schwierigkeiten zu warnen, welchen im Falle der Nichtbeachtungihres Standpunktes das Gesetz unfehlbar entgegengehen müßte.

Graf Münster stellte nichtsdestoweniger bei der zweiten Lesung denAntrag, alle Neichsgoldmünzen mit dem Bildnis des Kaisers zu versehen.

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