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Münzstempel mit dem Bildnis ihrer Landesherrn einzuliefern und umderen gelegentliche Verwendung zu bitten. Dieses „Münzregal " konnteman gewiß unangetastet lassen, ohne die Einheit des Reichs und seinesneuen Münzwesens zu gefährden.
Nachdem wir uns bis jetzt mit der Wahl der Rechnungseinheit desReichsmünzsystems und mit der staatsrechtlichen Organisation des Münz-wesens beschäftigt haben, kommen wir zu der Währungs frage.
Da der Entwurf die Entscheidung zwischen Goldwährung undDoppelwährung noch in der Schwebe ließ, hatten weder seine Motivenoch die Vertreter der Reichsregierung bei den Reichstagsverhandlungendie Aufgabe, die Notwendigkeit oder Nützlichkeit des Übergangs zurGoldwährung zu begründen; die Ausführungen der Regierung mußtensich vielmehr korrekterweise auf die Begründung der Notwendigkeit einesGoldumlaufs, welcher theoretisch sowohl durch die Goldwährung alsauch durch die Doppelwährung erreicht werden konnte, beschränken.Daraus, daß die Reichsregierung sich im großen und ganzen diese Be-schränkung wirklich auferlegte, kann deshalb nicht — wie es beispiels-weise der Holländer Ro chussen^ thut — gefolgert werden, daß es keineGründe für den Übergang zur Goldwährung gegeben habe. In An-betracht des Zweckes, welchen die Regierung mit dem Gesetz, betreffenddie Ausprägung von Reichsgoldmünzen, erreichen wollte, that sie eherzu viel als zu wenig in der Begründung eines Übergangs zur Gold-währung. Delbrück , welcher die Verhandlungen des Reichstags überden Gesetzentwurf in einer längeren Rede einleitete, wies darauf hin,daß seit 1857 „sowohl in den Kreisen der Wissenschaft, als in denKreisen des Handelsstandes und des großen Publikums" die Überzeugungvon der Notwendigkeit des Übergangs zur Goldwährung immer größereFortschritte gemacht habe, und als Grund für diese Entwickelung führteer den bereits erwähnten Übelstand einer ungesunden Papierzirkulationan, und außerdem die internationale Strömung zu Gunsten der Gold-währung, welche sich bereits 1865 bei der Gründung der lateinischenMünzunion, besonders aber gelegentlich der Pariser Münzkonferenz von1867 gezeigt hatte.
Bei den Verhandlungen des Reichstags selbst wurde die Währungs-frage ziemlich breit besprochen. Die Gründe auf beiden Seiten warennaturgemäß dieselben, welche bereits außerhalb des Hauses zur Genüge