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erörtert waren. Auf der einen Seite wurden der Doppelwährung diebekannten Vorzüge nach Wolowskis Lehre zugeschrieben, auf der andernSeite wurde die Herstellung eines Goldumlaufs vermöge der Doppel-währung für unmöglich, die Doppelwährung selbst für undurchführbarerklärt. Die Doppelwähruugssreunde drohten ferner mit einer Silber-entwertung und einer Goldverteuerung. Die Anhänger der Gold-währung selbst waren auf eine Silberentwertung gefaßt, Bambergersprach sogar seine Verwunderung darüber aus, daß die Reichsregierungnicht zur Deckung der aus der Abstoßung des Silbers infolge derSilberentwertung zu erwartenden Verluste einen Kredit verlangt habe.Hinsichtlich der Gefahr einer Goldverteuerung war man guten Mutes.Eine der größten Beschwerden jener Zeit war die rapid steigende Ver-teuerung aller Preise. Solange man augenscheinlich unter einer Ent-wertung des Geldes litt, hatte die Drohung mit einer Geld-verteuerung keine Schrecken. Ein Sinken der enorm gestiegenenPreise galt als eine glückliche Aussicht.
Später hat man den damaligen Vertretern der Goldwährung einengroßen Vorwurf daraus gemacht, daß sie diesen Kernpunkt der Währungs-frage fo wenig geprüft hätten. Zu ihrer Verteidigung läßt sich anführen,daß sogar alle nachträglichen Prüfungen der Wertbewegung, welche dasGold seit der Münzreform durchgemacht hat, kein unbestrittenes Ergebnisaufweisen, um wieviel geringer wären die Ergebnisse der scharfsinnigstenPrüfung über die zukünftige Wertbewegung des Goldes gewesen! Schließ-lich lag angesichts der enormen Goldproduktion der vergangenen zweiJahrzehnte die Furcht vor einer Goldverteuerung überaus fern. Betrugdoch das von Deutschland zu beschaffende Gold nach den höchstenSchätzungen etwa 450 Millionen Thaler, während die Goldproduktionseit 1850 ein Goldquantum im Wert von fast 4 Milliarden Thalern zuTage gefördert hatte.
Eine förmliche Abstimmung über die Währungsfrage konnte nichtstattfinden, weil nirgends in der Vorlage oder in einem Antrage formellder Übergang zu einem bestimmten Währungssystem vorgeschlagen war.Daß die große Mehrheit des Reichstags gewillt war, die Goldwährungeinzuführen, steht nichtsdestoweniger durch die Äußerungen der Wort-führer während der Verhandlungen fest und geht vor allem auch ausden Abstimmungen über diejenigen Anträge hervor, welche bereits imersten Münzgesetz die Möglichkeit der Doppelwährung ausschließen unddie Goldwährung zum bestimmten Ziel der Münzreform machen wollten.