— 187 —
Wir haben nun zu betrachten, welche Maßregeln zum Zweck desÜbergangs zur Goldwährung getroffen wurden, und wie weit das Problemdes Übergangs zur Goldwährung bereits jetzt seine Lösung fand.
Da war zunächst die Frage der Umwandlung des Geldumlaufs undder Konvertierung der Geldschulden. Der Reichstag entschied hier imselben Sinne, wie der Bundesrat entschieden hatte. Auch in der Wahldes Wertverhältnisses stimmte der Reichstag der Vorlage zu. DieVerhältnisse waren für die Entscheidung dieser schwierigsten und bedenk-lichsten Frage der Münzreform fo günstig wie nur irgend möglich. DieFrage der Relation war in der Münzreform-Litteratur gründlich erwogenworden. Camphausen fällte ein durchaus unzutreffendes Urteil, wenner sagte: „Ich will nicht leugnen, daß es während der Verhandlungen,die seit Monaten Deutschland bewegt haben, zuweilen einen unheimlichenEindruck auf mich gemacht hat, daß dieses eigentliche Problem der Frage,diese schwierigste Seite der Frage, kaum in Erörterung gezogen, daß alsvöllig selbstverständlich behandelt wurde das Verhältnis von 15^2 zu 1."Man hatte sich redlich nach der Lösung dieses Problems abgequält, aberman war fast allgemein zu dem Resultat gekommen, daß theoretisch einerestlose, gänzlich unanfechtbare Lösung uicht möglich sei, und daß man,für welche Theorie man sich auch entscheiden mochte, einen mehr oderweniger willkürlichen Griff nicht vermeiden könne. Nun traf es sichbesonders glücklich, daß die praktischen Resultate der verschiedenstenTheorien so ziemlich zusammenfielen. Ob man die durchschnittliche Re-lation einer kürzeren oder längeren Vergangenheit für die richtige hielt, oderob man mit Bamberger der Ansicht war, „daß weder rückwärtsgehendeDurchschnittsnormen noch vorwärtsgehende Berechnungen zu entscheidenhaben, in welcher Proportion dieser Übergang gegriffen werden soll,sondern einzig und allein der Moment, in dem der Übergang bewerk-stelligt wird" -— man kam stets auf ein Wertverhältnis, welches garnicht oder nur unbedeutend von dem des Gesetzentwurfes abwich. Einbesonders günstiger Umstand war, daß in den Tagen, an welchen derReichstag das Gesetz beriet, der Londoner Silberpreis „auf ein Haar"das vorgeschlagene Wertverhältuis ergab. Das trug zweifellos erheblichdazu bei, daß das vorgeschlagene Wertverhältnis ohne ernstlichen Wider-spruch zur Annahme gelangte. Diejenigen, welche aus irgend welchenNebenrücksichten, z. B. um die neuen Goldmünzen in ein einfacheres Ver-hältnis zum Gewichtssvstem zu bringen, nicht abgeneigt gewesen wären,eine geringfügig abweichende Relation zu befürworten, nahmen davon