Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Sechstes Kapitel.

Die Reformen in Bremen nnd Hamburg »

Die in Deutschland vor der Münzreform vorhandenen Münzsystemestanden fast alle miteinander in einfachen Zahlenverhältnissen. Der Gnldenwar ^-Thaler, die Hamburgisch-Lübische Mark war 2/5 Thaler, der inElsaß-Lothringen geltende Frank war auf 8 Silbergroschen tarifiert.Auch die alten Überreste verschwundener Systeme, wie die Kronenthaler,die Münzen der schleswig holsteinischen Währung und andere fügten sichverhältnismäßig leicht in die bestehenden Systeme ein.

Völlig abseits von allen andern deutschen Landeswährungen standennur die Bremische Thaler-Goldwährung und die HamburgerBank valuta, erstere als isolierte Goldwährung nnter Silberwährungen,letztere als ein auf Feinsilber in Barren begründetes Buch-Geld.

Schon längst hatte man es in den beiden Hansestädten höchst lästigempfunden, nach einem Geld rechnen zu müssen, das mit den Systemendes deutschen Binnenlandes nichts gemein hatte. Die Bestrebungen nacheiner deutschen Münzeinheit hatten gerade dort man denke nur anden Hamburger Soetbeer! ihre eifrigsten Vertreter.

Als nun das erste Reichsmttnzgesetz die bisherigen Landesmünz-systeme bestehen ließ und das künftige Reichsmünzsystem nur durch dieAnordnung der Ausprägung von 10- und 20-Markstücken festlegte, da er-hob sich für Bremen und Hamburg die Frage, ob sie darauf warten wollten,bis durch ein definitives Neichsmünzgesetz mit den übrigen Landesmünz-systemen auch die Thaler-Goldwährung und die Bankvaluta beseitigtwürden, oder ob sie bereits vorher diese Systeme durch die Reichsmark-rechnung in irgend einer Form ersetzen sollten. In beiden Städten wurdediese Frage im letzteren Sinne entschieden.

Helfserich, Geschichte der Geldreform.

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