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Damit war die Hauptsache zugestanden. Um so hartnäckiger zeigtesich die Regierung in der Frage der Prägegebühr. Michaelis hielt mitZähigkeit daran fest, das Reich habe keinen Grund, für die Erhaltungder Vollwichtigkeit der auf Privatrechnung geprägten Goldmünzen mitden Mitteln der Allgemeinheit aufzukommen. Er folgerte daraus, daßdiejenigen Privatpersonen, welche von dem freien Prägerecht Gebrauchmachen wollteil, außer den Kosten der Prägung einen Zuschlag zu zahlenhätten, aus welchem der durch Abnutzung der betreffenden Stücke ent-stehende Verlust gedeckt werden könne; damit nicht genug, wies er daraufhin, daß dem Reich auch die Pflicht obliege, die abgenutzten Stücke umzu-prägen, zu den erstmaligen Prägekosten und den Kosten für die Abnutzungkämen also für die Berechnung der von Privatpersonen zu zahlendenPrägegebühr auch noch die Kosten der späteren Umpräguug hinzu. Aufdiese Weise errechnete er eine Prägegebühr von gegen 8 Mark.
Diese „Apothekerrechnung" fand den lebhaftesten Widerspruch. Manentgegnete, konsequenterweise müsse auch der Betrag der zweiten Abnutzungund der zweiten Umprägung u. s. w. hinzugefügt werden, und fchon da-durch sei die Auffassung der Regierung aä adsurckuin geführt. DieRegierung aber zeigte keine Lust, sich überzeuge«? zu lassen. Michaeliswußte vielmehr gerade für eine hohe Prägegebühr noch besondere Vor-züge ins Feld zu führen, namentlich behauptete er, durch einen hohenSchlagschatz werde der Wert des Geldes in entsprechender Weise überseinem Metallwert gehalten und dadurch die Goldausfuhr und das Ein-schmelzen deutschen Geldes erschwert. Er übersah dabei, daß eine hohePrägegebühr den Wert des Geldes nur solange über seinem Metallwerthält, als die Zirkulation die Tendenz hat, neue Umlaufsmittel anzuziehen,daß aber, sobald Neiguug zu Geldabfluß eintritt, der Wert des Geldesauf seine untere Grenze, den Metallwert hinabsinkt; daß also der angeblicheSchntz gegen die Geldausfuhr gerade dann versagt, wenn er in Wirknngzu treten hätte. Er ließ sich auch nicht darüber belehren, daß eine hohePrägegebühr, während sie den Geldabfluß nicht hindern kann, den Geld-zufluß geradezu erschwert. Bamberger 'führte mit klaren Worten aus,wie gerade bei den internationalen Edelmetallbewegungen die kleinstenGewinnchancen ausschlaggebend sind, wie der Edelmetallhändler undArbitrageur, der vor dem Fall steht, ob er Wechsel auf Deutschland kaufen oder Gold nach Deutschland schicken soll, genau berechnet, was ihndie Goldsendung und was ihn die Ausprägung kostet und wie in einerhohen Prägegebühr eine Art Zoll auf die Einfuhr von Gold liege.