Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
269
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sei, stelle, wo die höchsten Staatsinteressen eine solche Ausgabe von Papier-geld nicht mit Notwendigkeit erforderten, einen Frevel an der Gesundheitdes Geldumlaufes dar. Bedurften die Einzelstaaten znr Einziehung ihresPapiergeldes Erleichterungen, so solle das Reich ihnen auf irgend einemandern Wege zu Hülse kommen, nicht aber auf Kosten der Geldzirkulationund der sicheren Durchführung der Müuzreform.

Ferner war man allgemein unzufrieden darüber, daß immer nochkein Bankgesetz in Aussicht gestellt war. Der Reichstag habe seinemVerlangen nach einer schleunigen Regelung des Bankwesens durch denArtikel 18 den deutlichsten Ausdruck gegeben, und es sei jetzt höchsteZeit geworden, an diese Frage heranzutreten.

Über die Gründe des Fehlens eines Bankgesetzentwurfs gab Camp-hausen Auskunft. Er behauptete abermals, hinsichtlich der Ordnungdes Bankwesens habe immer noch keine Regierung ihre Wünsche undAnsichten zur Kenntnis des Bundesrats gebracht. Das entsprach, wiewir wissen, nicht ganz den Thatsache». Formulierte Vorschläge warendem Bundesrat bis dahiu allerdings nicht gemacht worden, dagegen warmehr als einmal seitens der verschiedensteil Regierungen der Wunsch nachErrichtung einer Reichsbank ausgesprochen worden; und ebeuso warCamphauseu speciell bei Beginn der Beratungen über das Papiergeld-gesetz um eine beruhigende Erklärung darüber ersucht worden, daß er dieUmwandlung der Preußischen Bank in eine Reichsbank nicht weiter durchunannehmbare Forderungen hinsichtlich des preußischen Gewinnanteils ver-hindern werde. Im übrigen war es ja nicht Sache der Einzelregierungen,in dieser Frage eingehende Vorschläge zu machen; sie hatten ihrem Ver-langen nach einer baldigen Erledigung der Frage bereits im Mai 1873dadurch iu aller Forin Ausdruck gegeben, daß ein Bundesratsbeschluß dasReichskanzleramt mit der Ausarbeitung eines Bankgesetzentwurfes beauf-tragte. Camphausens Widerstand gegen eine Reichsbank hatte die Vor-legung eines Entwurfes bisher verzögert, und für Eingeweihte mußte esetwas merkwürdig klingen, wenn er nun dem Reichstag versprach, erwerde sein möglichstes thun, um in der nächsten Session die Bankfragezur Erörterung zu bringen. Die Verhältnisse, namentlich die Rechts-verhältnisse seien zwar sehr verwickelt, aber er halte es durchaus nichtfür unmöglich, trotzdem zu einemdurchaus erwünschte« Resultate" zugelangen.Nein, meine Herren," sagte er,im Kopfe ist mein Planlängst fertig." Aber er fügte einen Zweifel hinzu, daß man sich in einerSession über diese schwierige Materie einigen werde.