Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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ungewissen von der deutschen Finanzverwaltung in fiskalischem Interessemöglichst niedrig gehaltenen Goldpreis zu fürchten und in Rechnung zustellen, sondern nur den sehr günstigen Preis, zu welchem die ReichsbankGold ankaufte.

Selbst gegenüber dem damals in Deutschland noch nicht durch-geführten System der Goldprägung auf Privatrechnung gegen einengleich niedrigen Abzug vom Ausmünzungswert hatte das System desGoldankaufs seitens der Centralbank nicht zu unterschätzende Vorteile.

Vor allem verursacht die unmittelbare Einlieferung von Gold beiden Münzstätten einen Zinsverlust, da die Münzstätten nirgends ver-pflichtet sind, auch nicht ohne Schwierigkeiten verpflichtet werden können,gegen das eingelieferte Rohgold sofort geprägtes Geld herauszugeben.Die Münzstätten müßten zu diesem Zweck einen erheblichen Barbestandhalten. Dagegen erfolgt bei der Reichsbank der Austausch von Goldgegen Geld Zug um Zug. Die Reichsbank ist zu einem solchen Aus-tausch im stände, da sie in erster Linie das Gold in ihren Noten be-zahlt, die ihr ohne Beschränkung zur Verfügung stehen, und da sie,wenn statt der Noten auf dem Wege der Noteneinlösung Metallgeldverlangt wird, einen großen Kassenvorrat in Bereitschaft hat.

Die Folge ist, daß bei dem System des Goldankaufs jede augen-blickliche Chance der Goldeinfuhr benutzt werden kann, bei dem Systemder bloßen Privatprägung auf den Münzstätten wegen des damit ver-bundenen Zeitverlustes dagegen nur einigermaßen dauernde Konjunkturen.

Weiter wird durch die Verpflichtung der Reichsbank zum Gold-ankaus in Verbindung mit der Bestimmung, daß nicht nur deutschesGeld, sondern auch Gold in Form von Barren und von fremden Gold-münzen als Bardeckung des Notenumlaufs gilt, eine nicht unerheblicheKostenersparnng möglich gemacht. Indem die Bank rohes Gold undfremde Goldmünzen in ihren Barvorrat aufnimmt und Noten dagegenausgiebt, verwandelte sie die Barren und fremden Sorten ohne Um-prägung, gewissermaßeu auf Widerruf, in deutsches Geld. Tritt nun eineKonjunktur ein, welche Deutschland zwingt, Gold an das Ausland ab-zugeben, so kann das Exportbedürfnis zunächst mit fremden Münzsortenbefriedigt werden, die für ihre Herkunftsländer um den Betrag derPrägekosten mehr wert sind, als deutsches Goldgeld oder Barreu. DieBank kann den Verkaufspreis der fremden Sorten so hoch halten, daßdarin keine Erleichterung der Goldausfuhr liegt, so hoch, daß die Aus-