Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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die von den Freunden der Verstaatlichung der Reichsbank aufgeführtenGründe, die hauptsächlich darin gipfelten, daß der Vorteil aus derNotenemission nicht Privaten, sondern nur dein Staat zufallen dürfe;er führte darüber hinaus auch die wichtigsten Gründe ins Feld, die fürdie Begründung der Reichsbank auf privatem Kapital sprachen. Diesedamals hänfig wiederholten Gründe waren uameutlich die Rücksicht aufdie Möglichkeit einer technisch besseren Leitung, so lange an dem Ge-deihen der Neichsbank interessierte Privatleute zugezogen werden konnten;ferner die Erwägung, daß eine staatliche Reichsbank sich nicht gut mitdem Fortbestehen der Privatnotenbanken vereinbaren ließ, schließlich dieRücksicht darauf, daß man die indirekte Kontingentierung auch der Neichs-bank gegenüber durchführen wollte, was bei einem staatlichen Institutdeshalb unmöglich gewesen wäre, weil eine Besteuerung eines staatlichenInstituts zu Gunsten des Staates völlig unwirksam sein mnß.

Ausschlaggebend für die große Mehrheit des Reichstags warzweifellos die Macht des wirtschaftlichen Liberalismus, der damals weitüber den Kreis der eigentlichen Liberalen hinaus die Geister beherrschte;und dieser Liberalismus war der Verstaatlichung von Erwerbsunter-nehmuugen grundsätzlich abgeneigt.

Das System der indirekten Kontingentierung wurde gleichfalls nocheinmal der eingehendsten Erörterung unterzogen.

Die Gegner der Kontingentierung, wie Bamberger, hatten in Rück-sicht auf die Unmöglichkeit, mit ihrer Ansicht durchzudringen, den Kampsfür die gänzliche Beseitigung der Kontingentierung im Verlauf der Ver-handlungen völlig aufgegeben. Schon in der Kommission wurden inder Hauptsache die Höhe und die Festigkeit der Steuer nicht mehr an-gegriffen, der Streit drehte sich nur noch um die Größe der Kontingente,namentlich um die Größe des der Reichsbank zu gewährenden Kontingents.

Bamberger, der die Kontingentierung der Reichsbank gegenüber fürüberflüssig, den Privatbanken gegenüber die überwachende Thätigkeit derReichsbank für wirksamer hielt, als die Kontingentierung, führte aus,daß die Annäherung an die Kontingentsgrenze bei der Reichsbank Be-unruhigung erwecken werde, und daß es, in Anbetracht des Umstandes,daß der normale Zinsfuß in Europa näher an 4 als an 5 Prozent stehe,seine Bedenken habe, häufig an der Grenze, wo der Übergang von 5 zu6 Prozent eintreten müsse, hin und her zu lavieren.

Laster, der überzeugteste und eifrigste Verfechter der Notwendigkeiteiner Einschränkung des ungedeckten Notenumlaufs, stellte dem entgegen,