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Kreisen die zutreffende Ansicht herrschte, auf den zunächst zu erwartendenstarken Zufluß von Metallgeld werde nach der Erledigung der fran-zösischen Zahlungen ein Rückfluß von Metallgeld nach dem Auslanderfolgen.
Welche Folgerungen ergeben sich aus dieser allgemeinen und un-bestrittenen Annahme für die Durchführung der Münzreform?
Die Münzreform an sich stellte eine vorübergehende Verminderungdes deutscheu Geldumlaufs iu Aussicht, die Milliardenzahlung an sichschuf die Gefahr einer plötzlichen Vermehrung des deutschen Geldumlaufs,welche sich schließlich durch einen Geldabfluß nach dem Ausland wiederausgleichen mußte. Münzreform und Kriegsentschädigung bargen alsoentgegengesetzte Gefahren iu sich; was konnte näher liegen, als der Ge-danke, die Münzreform und die Einziehung und Verwendung derKriegsentschädigung so mit einander zu verbinden, daß sich ihre Gefahrenbis zu einem gewissen Grad gegenseitig ausgleichen mußten?
Wie wünschenswert eine solche Verbindung beider Operationen war,ergiebt sich aus folgenden Erwägungen:
Wenn die Reichsregierung der durch die Kontribution geschaffenenstarken Versuchung nachgab, den vorhandenen Silberumlauf zunächst un-angetastet ließ und sich lediglich darauf beschränkte, das mit der Kon-tribution eingehende und durch die Mittel der Kontribution beschaffteGold auszumünzen; wenn die Reichsregierung auf diese Weise dendeutschen Geldumlauf beträchtlich vermehrte uud dadurch ein Abfließeneines Teiles der metallischen Zirkulation nach dem Ausland hervorrief:welches Metall mußte aller Voraussicht nach abfließen, welches im Landebleibe» ?
Wenn Geld aus einem Lande abfließt, dessen metallischer Umlaufsich aus Gold- und Silbermünzen zusammensetzt, die in einem festenWertverhältnis zu einander stehen, dann fließt immer zuerst dasjenigeMetall ab, welches in der gesetzlichen Relation gegenüber dem Wert-verhältnisse beider Metalle aus dem freien Markte unterwertet ist, unddas überwertete Metall bleibt im inländischen Umlanf zurück.
Nun erwartete man zur Zeit des Beginnes der Münzreform all-gemein ein Sinken des Silberwertes, und der deutsche Währungswechselselbst war ganz dazu angethan, die ohnehin schon sinkende Tendenz desSilberpreises erheblich zu verschärfen.
Es mußte also, wenn nach der Abtragung der Kontribution einRückfluß von Metallgeld nach dem Ausland eintrat, das Gold eher ab-