Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
316
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fließen als das Silber. Trat ein völliger oder nahezu völliger Aus-gleich eiu, dann mußte Deutschland fast alles neue Gold wieder ver-lieren; es mußte wieder auf einen mindestens überwiegenden Silber-umlauf zurückkomme», und die ganze, wenn auch noch so umfangreicheAusmünzung von Gold wäre vom Gesichtspunkte des Währuugswechselsaus völlig nutzlos gewesen. Die Reichsregierung hätte, nachdem ihrkurze Zeit die Herstellung und Erhaltung eines Goldumlaufs neben demvorhandenen Silberuinlauf gelungen wäre, sich von neuem vor die Auf-gabe gestellt gesehen, den ursprünglichen Silberumlauf in einen Gold-umlauf zu verwandeln. Nach einer plötzlichen Vermehrung des Gold-umlaufs durch die Kriegsentschädigung und nach der darauf erfolgtenGegenwirkung hätte die deutsche Volkswirtschaft auch noch die sich ausder endlichen Durchführung der Münzreform ergebenden Störungen derZirkulationsverhältnisse über sich ergehen lassen müssen.

Daß ein solches Vorgehen der Reichsregierung in allgemein-wirt-schaftlicher Beziehung sehr nachteilig gewirkt hätte, ist unbestreitbar.Auch die Durchführung der Münzreform mußte durch massenhafte Gold-ausprägungen ohne entsprechende Silbereinziehungen schwer beeinträchtigtwerden. Vor allem konnte auf diese Weise der Vorsprung, welchenDeutschland durch den Krieg und die Kriegskosten vor Frankreich undden übrigen Ländern der Lateinischen Münzunion gewonnen hatte, wiederverloren geheu. Jeder Schritt dieser Länder in der Richtung auf dieAnnahme der Goldwährung mußte sich in erster Linie gegen die freiePrägbarkeit des Silbers richten und dadurch die Lage des Silbermarktesverschlechtern, also die Silberabstoßung für die Reichsregierung er-schweren. Außerdem mußte jeder starke Goldabfluß, der vor der Be-seitigung erheblicher Silbermengen erfolgte und dadurch den deutschenUmlauf wieder als vorwiegenden Silberumlauf erscheinen lassen konnte,den Eindruck eines Scheiterns der Münzreform hervorbringen, unddieser Eindruck konnte der wirklichen Durchführung der Reform ge-fährlich werden.

Um die Schädigungen des gesamten Wirtschaftslebens, welche ausden doppelten Störungen des Geldumlaufs durch die Kontribution unddurch die Münzreform hervorgehen mußten, auf den denkbar geringstenUmfang zu beschränken, um Gefahren für die Durchführung desWährungswechsels zn vermindern, und um die Milliardenzahlung für dieDurchführung der Münzreform nutzbar zu machen, dazu war es not-wendig, Goldpräguug und Silbereinziehung, trotz der Möglichkeit einer