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England und Deutschland bis zur Mitte des Jahres 1873 auf kaumweniger als 700 Millionen Mark. Dazu kamen etwa 18—20 MillionenMark eingezogener Landesgoldmüuzen und gegen 200 Millioneil Markausländischer von der französischen Negierung auf die Kontribution ein-gezahlter Goldmünzen.
Von diesem Goldbestand waren bis zur Mitte des Jahres 1873etwa 750 Millionen Mark zur Ausprägung gelangt.
Wenn man bedenkt, unter welchen überaus schwierigen Verhältnissendie Beschaffuug dieser gewaltigen Goldmenge, welche der gesamten gleich-zeitigen Goldprodnktion ungefähr entspracht durchgeführt wurde; welcheStörungen allein schon die Übertragung der fünf Milliarden, wie immersie von der Neichsregierung verwendet werden mochten, hervorrufen mußte;welche Ansprüche der gewaltige wirtschaftliche Aufschwung nach demFriedensschluß an die Geldmärkte stellte, uud welche Erschütterungendurch den Zusammenbruch der Spekulation und die Handelskrisis herauf-beschworen wurden: dann kann man der Reichsregierung die Anerken-nung nicht vorenthalten, daß sie diesen wichtigen und schwierigen Teilder notwendigen Operationen mit Energie durchgeführt und mit Umsichtund Geschick geleitet hat.
Gerade der Umstaud, daß die Regieruug die Goldbeschaffung uudGoldausmüuzung mit einem solchen Nachdruck betrieb, verleiht der Frage,welche Maßregeln sie zur Verminderung des Umlaufs von Landesmünzentraf, ein besonderes Gewicht.
Die Beseitigung der Landesgoldmünzen wurde dadurch iu Angriffgenommen, daß das Reichskanzleramt die Bundesregierungen anwies, dieFriedrichsdor und die auderen Goldmünzen mit festem Kassenknrs, welchebei ihren Kassen eingingen, nicht wieder auszugeben, sondern sie derReichshauptkasse zur Umprägung einzuliefern.
Diese Maßregel hatte nur eiuen geringen Erfolg. Bis zum Endedes Jahres 1873 waren erst für etwa 22 Millionen Mark Landesgold-münzen eingezogen ^.
Da die Neichsregierung durch das Gesetz vom 4. Dezember 1871nur die Befugnis zur Einziehung von Landesgoldmünzen erhalten
i In 1'/2 Jahren wurde für etwa 700 Millionen Mark Gold angekauft. Diedurchschnittliche Jahresproduktion betrug damals 48S Millionen Mark.^ Siehe Beitrage S. 234.
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