hatte, während die Bestimmungen über die Außerkurssetzung dem defini-tiven Münzgesetz vorbehalten blieben, konnte die Regierung die Beseitigungder Landesgoldmünzen nicht durch eine Außerkurssetzung beschleunigen.Sie that bereits ein übriges, indem sie deren Zurückziehung durch frei-händigen Aufkauf beförderte, allerdings nur in beschränktem Umfang.
Dagegen zeigte die Reichsregiernng eine auffallende Lässigkeit beider Silberein ziehung. Sie machte so ant wie gar keinen Gebrauchvon der ihr erteilteu Ermächtigung. Alles, was bis zur Beratung desMünzgesetzes für die Verminderung des Silberumlaufs geschah, bestanddarin, daß 10 Millionen Guldeu iu Ein- und Zweiguldenstücken zumEinschmelzen bereit gehalten wurden — 17 Millionen Mark gegenübereiner Ausprägung von 600 Millionen Mark neuer Goldmünzen!
Aber selbst diese geringfügige Summe von Silbermüuzen und die-jenigen Beträge, welche in der nächsten Zeit zur Einziehung kommensollten, waren nicht für den Verkauf bestimmt, sondern sie sollten in derForm von Reichssilbermünzen dem Verkehr zurückerstattet werdeu. Michaeliserklärte im Reichstag bei der ersten Lesung des Münzgesetzes, die bereitliegenden 10 Millionen Guldeu sollten erst dann eingeschmolzen werden,„wenn sie zur Ausprägung von Neichssilbermünzen benutzt und sofortin die hierzu geeignete Form gebracht werden können".
Mit diesem Verhalten übertraf die Reichsregierung alle Befürch-tungen, welche zur Zeit der Beratung des ersten Münzgesetzes Ausdruckgefunden hatten. Der Fehler, dessen Vermeidung für die Durchführungder Reform von fundamentaler Wichtigkeit war, wnrde im vollsten Um-fang begangen, als ob niemals ein Wort über die Notwendigkeit derrechtzeitigen Silbereinziehung gesprochen worden wäre. Anderthalb Jahrewaren seit dem Beginn der Reform vergangen, 600 Millionen Marknener Goldmünzen waren ausgeprägt, keine fünf Monate mehr war manvon der Beendigung der französischen Kontribntionszahlungen entfernt,und noch war nicht eine Landessilbermünze eingeschmolzen!
Heute scheiut uns dieses zögernde Vorgehen um so unbegreiflicher,weil wir feine schlimmen Folgen kennen, die allerdings damals schonvorausgesagt wurden; weil wir außerdem wissen, daß gerade jene Zeit,welche die Neichsregieruug unbenutzt verstreichen ließ, noch verhältnis-mäßig günstig für die Silberveräußeruug gewesen wäre, während bald daraufdie starke Entwertung des weißen Metalls begann. Wir müssen unsdeshalb stets vor Augen halten, daß es leichter ist, ex xost zu urteilen