und zu verurteilen, als im richtigen Augenblick die richtigen Maßregelnzu treffen.
Das Verhalten der Reichsregierung fand schon bei der Beratungdes Münzgesetzes eine teilweise sehr scharfe und abfällige Kritik.
Bamberger, dessen Worte sowohl im Reichstag als bei derRegierung am meisten galten, zeigte jedoch eine sehr vorsichtige Zurück-haltung. So sehr er die Notwendigkeit einer raschen uud energischenSilberabstoßung betonte, so sehr er über die Unthäligkeit der Regierungverwundert war, erklärte er doch, nicht kritisieren zn wollen, solange ernicht bei der Sache dicht daran stehe und beurteilen könne, welche prak-tischen Bedenken vielleicht der Ausführung des natürlichen Gedankens imWege gestanden hätten; er müsse annehmen, daß die Silbereinziehungdurch sehr gewichtige Gründe verhindert worden sei.
Bamberger zeigte mit dieser Annahme zu viel Vertrauen.
Die Reichsregieruug hat die Gründe, von welchen sie sich bei derVerzögerung der Silbereinziehung leiten ließ, sowohl in den Münzdenk-schristen als bei deu Reichstagsverhandluugen mehrfach entwickelt.
Am meisten wird ihr Verhalten entschuldigt durch die Ungewißheit,welche über den Zeitpunkt der Beendigung der französischen Zahlungenlange Zeit bestaiü).
Der Termin war nach dem Frankfurter Frieden der 2. März 1874.Durch ein Abkommen aus dem Juni 1872 wurde die Frist bis zum1. März 1875 verlängert. Wenn die Reichsregieruug diesem Termineine Wichtigkeit für die Silbereinziehung beimessen wollte, mußte sie au-nehmen, sich Zeit gönnen zu dürfen. Da wurde auf Ansuche» Frankreichs im März 1873 ein neues Abkommen geschlossen, nach welchen? die Zah-lungen bis zum 5. September 1873 geleistet werden sollten.
„Hätten wir vor einem halben Jahr gewußt, was wir heute wissen,"so sagte Delbrück bei der ersten Lesung des Münzgesetzes, „hätten wirvor einem halben Jahr gewußt, daß die französische Kriegsentschädigungnoch im Laufe dieses Jahres bezahlt werden würde, so würden allerdingsunsere Maßnahmen andere gewesen sein."
Michaölis gab in Übereinstimmung mit Ausführungen der zweitenMünzdenkschrift, Andeutungen über die positiven Gründe für das Unter-bleiben der Silbereinziehung. Er sagte am 28. März im Reichstag:
„Bei der eigentümlichen Lage des Silbermarktes und bei der großenGesahr, daß, da Silberprägungen nicht stattfanden, für das Silber,welches aus dem Markte gezogen wurde, sich fremde Silbermünzen