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substituierten, die nachher wieder schwer aus dem Verkehr zu entfernensein würden, war es im vorigen Jahre nicht möglich, mit Silber-einziehungen in größerem Umfange vorzugehen."
„Bei der eigentümlichen Lage des Silbermarktes?" — Der Silber-preis stand im Durchschnitt des Jahres 1872 auf 60°/i« ä in London ,in Hamburg war das durchschnittliche Wertverhältnis — 1 : 1S,56.Silberverkäufe waren also für die Reichsregieruug fast ohne Verlustemöglich. Zu Beginn des Jahres stand der Londoner Silberpreis zeit-weilig sogar höher, als der dem deutscheu Währungswechsel zu Grundegelegten Relation entsprach.
Die Lage des Silbermarktes war also nicht nur kein Grund, mitder Silberveräußerung zurückzuhalten, sie hätte vielmehr in Anbetrachtdes Umstandes, daß ein beträchtliches Sinken des Silberpreises allgemeinerwartet wurde, geradezu Silberverkäufe veranlassen müssen.
Um nichts triftiger war der zweite von Michaelis angeführte Grund,obwohl er auf den ersten Blick stichhaltig erscheinen mag; sind dochin der That damals große Massen von fremden Silbermttnzen in dendeutschen Umlauf eingedrungen, namentlich österreichische Gulden!
Aber diese Silbermünzen „substituierten" sich nicht etwa für ein-gezogene Landessilbermünzen; denn damals wurden ja noch gar keinenennenswerten Beträge eingezogen. Es war uicht nur eine gänzlicheVerkennung der Gründe, welche das Einströmen dieser Silbermünzenveranlaßten, sondern es war geradezu eine Ableugnung der wichtigstenVoraussetzung der Goldwährung, wenn Michaelis behauptete, die Ein-ziehung deutscher Landesmünzen werde dazu führen, daß sich an ihrerStelle fremde Silbermünzen substituierten. Ein Verkennen der Ursachendes Eindringens fremder Silbermünzen, weil die Ursachen in einemVerkehrsbedürfnis gesucht wurden und nicht darin, daß diese fremdenMünzen nach wie vor zu ihrem alten Pariwert in deutscher Silber-währung angenommen wurden, während dieser Pariwert infolge der in-zwischen eingetretenen Steigerung des deutschen Geldwertes höher warals der Wert ihres Silbergehaltes, so daß jeder Spekulant, welchersolche Münzen nach Deutschland brachte, einige Prozent profitierte.Sprach doch Michaelis selbst damals bei einer anderen Gelegenheit dastreffende Wort, durch die Steigerung des deutschen Geldwertes über seineSilberbasis sei den ausländischen Silbermünzen formlich eine Lockspeisehingehalten. — Eine Ableugnung der wichtigsten Voraussetzung der Gold-währung lag darin, daß der von Michaelis angeführte Grund auf der