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Der Übergang zur Ausprägung kleinerer Münzstücke mußte zummindesten das Tempo der Vermehrung des deutschen Geldumlaufs erheb-lich verlangsamen. Außerdem stellten die Silberprägungen, da dasMaterial aus der Einschmelzung umlaufender Silbermünzen gewonnenwerden mußte, überhaupt uicht, wie die Goldausmünzungen, eine Ver-mehrung des Umlaufs dar.
Der Bundesratsbeschluß vom 8. Juli zeigte jedoch seine Wirkungnicht augenblicklich- Die Vorbereitungen zur Scheidemünzprägung nahmengeraume Zeit in Anspruch. Die Berliner Münze, welche zuerst zurScheidemünzprägung überging, begann damit erst Ende Oktober; dieandern Münzstätten folgten im November und Dezember 1873 und imJanuar 1874.
Unter diesen Uniständen nahm die Goldausmünzung auch nach demErlaß des Münzgesetzes zunächst noch ihren Fortgang, und zwar beschränktesie sich nicht ans die Aufräumung der vorhandenen großen Bestände vonPrägegold, denn im September nahm die Reichsregierung in London neuerdings Goldankäufe vor'. So kam es, daß die Goldausmünzungendes zweiten Halbjahrs 1873 mit 268 Millionen Mark nicht allzusehrhinter den Goldausmünzungen des ersten Halbjahrs im Betrag von326 Millionen Mark zurückblieben. Erst vom Beginn des Jahres 1874 abtrat eine erhebliche Verminderung ein. In der ersten Hälfte dieses Jahressanken die Goldausmttnznngen auf einen Betrag von nicht ganz 26 Mil-lionen Mark.
Auch die Einziehung von Landesmünzen blieb nach dem Erlaß desMünzgesetzes zunächst noch innerhalb enger Grenzen. Von Landessilber-münzen waren bis zur Mitte des Jahres 1874 nur etwa 90 MillionenMark eingezogen. Dagegen wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1874erheblichere Beträge von Landesgoldmünzen infolge ihrer Außerkurssetzungzur Einlösung gebracht. Die Summe der eingezogenen und eingelöstenLandesgoldmünzen belief sich um die Mitte des Jahres 1874 auf etwa91 Millionen Mark.
Im ganzen fand während der zweiten Hälfte des Jahres 1873 nocheine beträchtliche Vermehrung der deutschen Münzen statt, während mitdem Beginn des Jahres 1874 eine leichte Verminderung eintrat ^.
' Siehe Beitrage S. 268.
2 Siehe die Tabellen über die Entwickelung des deutschen Geldumlaufs in denBeiträgen S. 333—395.