Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
363
Einzelbild herunterladen
 

363

Bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 1873 bestand jedoch einestarke Gegenwirkung gegen die Vermehrung des deutschen Geldbestandes.Die Zunahme des Bestandes deutscher Münzen wurde mehr als auf-gewogen durch die gleichzeitige Beseitigung des Umlaufs aus-ländischer Müuzsorten.

Die Überschwemmung Deutschlands mit ausländischen Münzen,welche dnrch die eigentümliche Lage des deutschen Geldwesens in denersten Jahren der Reform herbeigezogen wurden, konnte nach einer ihrerwichtigsten Voraussetzungen nur eine vorübergehende Episode sein. Siekonnte sich nur solange fortsetzen, als das große Publikum sich noch nichtin den Gedanken gefunden hatte, daß infolge der Reformgesetze die altenfesten Beziehungen- zu den Münzen der benachbarten Silberwährungs-länder aufgehoben seien. Es brauchte Zeit, bis diese Erkenntnis zumDurchbruch kam, aber auf die Dauer konnte sie nicht ausbleiben. DieRegierung hatte es in der Hand, sie durch geeignete Maßnahmen zufördern.

Ohne Störungen und Verluste für das Publikum konnte sich dieBeseitigung der fremden Silbermünzen nicht vollziehen.

Obwohl vielfach die Negierungen, indem sie die Annahme der fremdenMünzsorten an den öffentlichen Kassen gestattet hatten, mitschuldig andem Eindringen der freniden Sorten waren, konnte eine Einlösung derausländischen Münzen seitens der Neichsregierung nicht in Frage komme».Denn eine Einlösung hätte, wenigstens, hinsichtlich der Silbermünzen,für die private Spekulation eine so große Gewinnmöglichkeit geschaffen, daßauch ein großer Teil der noch außerhalb Deutschlands umlaufenden öster-reichischen uud holländischen Gulden und der französischen Fünffrankenthalereigens zum Zweck der Einlösung nach Teutschland gebracht worden wären.

Es blieb also, wenn sich das Reich nicht unverhältnismäßig großeOpfer auferlegen wollte, uur eine allmähliche Austreibung der fremdenSorten auf Kosten des Publikums übrig.

Dieses Schicksal der in Deutschland umlaufenden fremden Münzenwar leicht voranszuseheu. Deshalb trat, schou lange bevor die Regie-rungen irgendwelche Schritte gegen die fremden Münzen unternahmen,hin und wieder ein starkes und weit verbreitetes Mißtrauen namentlichgegen die österreichischeu Silbermünzen auf.

Bereits zu Beginn des Jahres 1872 weigerte sich die Filiale derPreußischen Bank zu Frankfurt a. M., österreichische Silbergulden inZahlung zu nehmen. Die Folge war, daß der gesamte Frankfurter