Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Handelsstand diese Münzen in Acht erklärte. Baden und Württemberg folgten, und schließlich wies im März 1872 in Bayern , wo sich derGuldenumlauf immer mehr steigerte, die General-Staatskasse die Annahmeeiner größeren Zahlung in österreichischen Guldeu zurück. Es brach nuneine förmliche Guldenpanik aus, welche ihrerseits wieder die bayerische Regierung veranlaßte, die Annahme der österreichischen Gulden bei denöffentlichen Kassen zu untersagend

Es dauerte jedoch nicht lange, und das Mißtrauen gegen die öster-reichischen Silbergulden verschwand wieder. Trotz des sinkenden Silber-preises nahm ihr Umlauf immer mehr überHand, nicht nur iu Süd-deutschland, sondern auch im Norden, wo man sich ihrer bisher mit Er-folg erwehrt hatte. Zur Zeit der Beratung des Münzgesetzes hörte manüberall Klagen über diese Eindringlinge. Zahlreiche Petitionen auBundesrat und Reichstag verlangten, daß gegen sie ein Umlaufsverbotausgesprochen werde.

Die Verhandlungen des Reichstags über das Münzgesetz, namentlichder Streit um das Zweimarkstück uud um die dem Bundesrat zu ver-leihende Befugnis, den Umlauf fremder Münzen zu untersagen^, trugenviel zur Aufklärung bei.

Der Bundesrat machte jedoch von der ihm erteilten Ermächtigung,ein Umlaufsvcrbot gegen fremde Münzen zu erlassen, nicht sofort Ge-brauch; aus begreiflicheu Gründen. Bei der großen Menge der in Deutsch-land umlaufenden fremden Silbermünzen hätte ein sofortiges Umlaufs-verbot eine heillose Verwirrung angerichtet. Der Bundesrat beschränktesich deshalb zunächst darauf, die einzelnen Regierungen zu ersuchen, dieAnnahme der österreichischen Eingulden- und Zweiguldenstücke und derniederländischen Silbermünzen bei den Staats- und soustigen öffentlichenKassen sofort zu verbieten.

Die gleiche Maßregel wurde von einzelnen Regierungen aus freienStücken gegen die Füuffrankenthaler verfügt.

Bereits diese Schritte hatten die Wirkung, die ausländischen Silber-münzcn allmählich aus Deutschland anszutreiben; denn von nun anwurden diese Sorten auch im Privatverkehr zurückgewiesen oder nur miteinem Abzug von einigen Prozenten angenommen.

Alle Härten gegenüber dem Publikum ließen sich, wie bereits an-

i Siehe Helfforich, Die Folgen des deutsch -österr. Münzvereins. S. 66 u. 67.° Siehe oben S. 210 u. 230, 231.