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Entsprechend diesem geringen Einfluß der Diskonterhöhung auf deu deutschen Geldmarkt war eine Wirkung der Maßregeln der PreußischenBank auf die Gestaltnng der auswärtigen Wechselkurse und die Gold-beweguug kaum zu bemerken. Nur ganz vorübergehend gelang es, dieKurse für Deutschland günstiger zu gestalten. Es zeigte sich damalsschlagend, wie wenig eine große Zettelbank imstande ist, eine in den Ver-hältnissen des Geldmarktes nicht begründete Zinserhöhung durchzusetzen.
Um den Jahreswechsel trat auch in Deutschland eine wesentlicheSteigerung des Marktdiskonts ein. Die Spannung des Geldmarkteslöste sich aber gleich nach dem Beginn des Jahres 1875 so vollständig,daß die Preußische Bank bereits im Januar ihren Diskont auf 4°/«herabsetzte.
Bei dem teilweise beträchtlich höheren Stande der Geldsätze außer-halb Deutschlands dauerte die Goldausfuhr auch im Jahre 1875 fort,ja sie erfuhr, da nun neben Frankreich anch England größere Goldmengenan sich zog, noch eine wesentliche Steigerung.
Trotzdem blieb die Preußische Bank bei einem Diskontsatz von4°/o;bei der bestehenden Geldflüssigkeit war von einer Diskonterhöhung keineWirkung zu erwarte» —
Um die Mitte des Jahres 1874, als die Zeit der Goldausfuhr be-gann, waren zwar bereits gewaltige Beträge in Neichsgoldmttnzen aus-geprägt, aber nur ein geringer Teil derselben befand sich im freien Ver-kehr. Nach genanen Berechnungen betrug damals der gesamte Metall-geldbestand Deutschlands 2.655 Millionen Mark; davon kamen 1.160Millionen Mark oder 43,7 ° o auf das Gold (Neichsgoldmünzen, fremdeGoldmünzen und Goldbarrenvorräte der Banken), auf die Reichsgold-münzen speciell etwa 1.010 Millionen Mark oder 39,2 "/o^.
Von den Neichsgoldmünzen lagen 120 Millionen Mark im Julius-turm als Kriegsschatz. Für Ende Oktober 1874 schätzte Camphausenden gesamten Silbervorrat der deutschen Zettelbanken ^ bei einem Metall-vorrat von 283Vs Millionen Thaler auf 56—57 Millioueu Thaler, sodaß für das Gold etwa 227 Millionen Thaler ^ 680 Millionen Markblieben 2. Im Kriegsschatz und in den Zettelbanken lagen also damalsallein 800 Millionen Mark in Gold, mehr als ^/s des gesamten deutschen
- Siehe Beiträge S. 402.
" Außer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank.° Siehe oben S. 373.