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Goldbestandes. Außerdem lagen in den Kassen des Reichs große Summenvon Reichsgoldmünzen fest^, ebenso in den Kassen der Einzelstaaten undden Kassen privater Erwerbsinstitute, welche zur Haltung eines größerenBarvorrates genötigt sind.
Es ist sicher nicht zu hoch gegriffen, wenn man unter Berücksichtigungdieser Verhältnisse das dem freien Umlauf entzogene Goldgeld auf 900bis 950 Millionen Mark veranschlagt. Im freien Umlauf hätten sichdann insgesamt nur für 200 bis 250 Millionen Mark Goldmünzen be-funden.
Als die Goldausfuhr begann, hielten die Zettelbanken und die andernstaatlichen und privaten Kassen ängstlich ihre Bestände an Goldgeld zurück,so daß beispielsweise die Goldbestände der Preußischen Bank währendder Zeit des Goldabflusses keine Verminderung, sondern sogar eine kleineVermehrung erfuhren ^.
Aber was halfeu die von Camphausen damals so sehr gerühmtengroßen Goldvorräte der Banken, solange diese Banken nicht auf VerlangenGold Heralisgabe», solange sie bei einer Aufnahme der Goldzahlungenein rapides Zusammenschmelzen ihrer Goldbestände befürchten mußten,uild solange im freien Verkehr Goldmünzen kaum zu sehen waren!
Gerade die Aufspeicherung des Goldes in den Banken nnd in denstaatlichen Kassen machte es, trotzdem der deutsche Metallgeldvorrat da-mals zu mehr als 40 °/o aus Gold bestand, außerordentlich schwierig,das für die sich aus den Verhältnissen des internationalen Geldmarktesmit Notwendigkeit ergebende Goldausfuhr erforderliche Gold zu be-schaffen. Die Folge war nicht, daß die Goldausfuhr unterblieb, sonderndaß für Gold ein Aufgeld geboteu wurde, das im Mai 1875 bis zu5 °/oo stieg, daß der Preis des Goldes in Berlin sich zeitweise um einvolles Prozent über seinen Ausmünzuugswert erhob, und daß die Wechsel-kurse auf das Ausland entsprechend der erschwerten Goldbeschaffnng be^trächtlich über die normalen Goldpunkte hinaus stiegen ^.
' Camphausen schätzte damals den zum Ersatz der Noten unter 100 Mark er-forderlichen Goldbetrag auf ca. 4V Millionen Thaler und fügte hinzu, diese Summekönne die Reichskasse liefern durch Verwendung von Goldmünzen, die in ihrem Besitzeseien und durch Ausprägung der Goldbestände, die das Reich im Ausland besitze.Daraus schloß Nasse Me Münzreform und die Wechselkurse, Hirths Annalen 187S.S. 195 ff.), daß in den Neichskassen damals keine 4l) Millionen Goldmünzen mehr lagen.
- Von 482 Millionen Mark Anfang Juli 1874 auf 435 Millionen Mark AnfangJuli 1875. — Siehe Beiträge S. 440.
2 Der Berliner Goldkurs stieg bis auf 1410 Mark pro Pfund fein, die Berliner