Mit einem Wort: die feste Verbindung des deutschen Geldwertesmit dem Goldwert und den ausländischen Goldvaluteu war unterbrochenund das Gelingen des Übergangs zur Goldwährung schien in Fragegestellt. —
So unausbleiblich eine derartige Krisis war, so sehr verblüfften diegeschilderten Ereignisse nicht nur das große Publikum, sondern auchLeute, welche mit den Verhältnissen des Geldmarktes praktisch undtheoretisch vertraut waren.
Als im Juli 1874 die ersten Nachrichten von einer Goldansfuhrin die Öffentlichkeit gelangten, als in den folgenden Monaten immergewaltigere Summen ausgeführter Reichsgoldmüuzeu genannt wurden,entstand eine allgemeine Verwirrung. Die alarmierenden Nachrichtengenügten, „um unter einer wahren Sündflut von thörichten Deutungenalles zu begrabe», was irgend an korrekten Vorstellungen im Lanfe dreierJahre ans die Beine gebracht worden war" ^.
Leute, welche die Schuld an der Goldausfuhr dem deutschenWährungswechsel zur Last legten, welche den Übergang zur Goldwährungals das unsinnige Unternehmen wirtschaftlichen Größenwahns darstellten,fanden Glauben, Manche, die bei der Gesetzgebung über die Reformdes Geldwesens mitgewirkt hatten, schrieben das ganze Unglück der Ver-nachlässigung ihrer besonderen Lieblingsgedanken zur Last, so namentlichdie abgesagten Feinde eines Pavierumlanfs. Auch Camphausen gab beider Beratung des Papiergeldgesetzes die Schuld an der Goldausfuhr derZunahme des ungedeckten Notennmlaufs. Die Anhänger des Schutzzolls,welche sich damals gegen die Theorie und Politik des Freihandels zu-sammenzuschließen begannen, miesen auf die damalige» großen Einfuhr-überschüsse hin, durch welche die Goldausfuhr veranlaßt sei, uud sie ver-langten wie zu anderen Zwecken so auch zur Verteidigung des Gold-umlaufs den Schutz der nationalen Arbeit.
Wer unserer Darstellung mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist,kann über die wahren Gründe der damaligen Krisis des deutschen Geld-wesens nicht im Zweifel sein.
Der Goldabflnsz war nicht eine Folge der Geldreform, sondern die