Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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notwendige Reaktion cmf den gewaltigen Zufluß von Bargeld, welchen dieMilliardenzahlung bewirkt hatte.

Auch eine Ausdehnung des Papierumlaufs kann nicht als eine Ur-sache der Valutakrisis angesehen werden. Der Papierumlauf hatte imFrühjahr 1873 seinen größten Umfang erreicht. Am Ende des Jahres1874 betrug der metallisch ungedeckte Notenumlauf etwa 500 MillionenMark, etwa 150 Millionen Mark weniger als im Mai 1873. Auch lassensich, wie Nasse in seiner erwähnten Abhandlung nachgewiesen hat, keinerleiZnsammenhänge zwischen den Veränderungen der ungedeckten Notenzirkula-tion und den Schwankungen der ausländischen Wechselkurse nachweisen.

Ebensowenig hatte die Handelspolitik mit dem Goldabfluß etwas zuthun. Freilich war der Überschuß der deutscheu Einfuhr von 941 Mil-lionen Mark im Jahre 1872 auf 1.454 Millionen Mark im Jahre 1873gestiegen; die folgenden Jahre zeigen zwar wieder eine Verminderung(1874: 1.252 Millionen Mark; 1875: 1.036 Millionen Mark), aberabsolut genommen war und blieb der Import-Überschuß ein sehr großer.

Diese Gestaltung der Handelsbilanz, welcher ein Einfluß auf dieEdelmetallbewegung nicht abgesprochen werden kann, war jedoch keineFolge der freihändlerischen Handelspolitik, sondern, ebenso wie der wich-tigste direkte Grund des Goldabflusses, die verhältnismäßige Goldflüssig-keit iu Deutschland , eine der Wirkungen der Milliardenzahlnng ^, ver-mittelst welcher sich die Reaktion auf die große Bargeld-Übertragungdurchsetzte.

Frankreich zahlte einen großen Teil der fünf Milliarden in baremGeld uud in Wertpapieren; ein andrer großer Teil aber wurde in Warenübertragen. Deutschland wurde nicht nur durch den Empfang einer sogewaltigen Wertsumme importfähiger, sondern die großen uugewöhnlichenAufwendungen der Regierung für das Retablissement des Heeres, denBau von Festungen nnd Eisenbahnen, und ebenso die gleichzeitigen ge-waltigen Aufwendungen Privater für den Bau von Fabriken, überhauptfür neue Aulageu jeder Art/ diese außerordentlichen Aufwendungenkonnten durch eine Steigerung der deutschen Produktion lange nicht ge-deckt werden, sondern sie mußten dazu nötigen, die durch den Empfangder Kriegskontribution gesteigerte Jmportfähigkeit anszunutzen.

Dadurch erklärt sich die für Deutschland ungünstige Handelsbilanz,welche ihr vollendetes Gegenbild au den gleichzeitigen Überschüssen derfranzösischen Ausfuhr hat.

^ Vgl. zu den folgenden Ausführungen Nasse a. a. O. S. 606 ff.