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was die wenigen Einsichtigen schon seit Jahren immer wiederholt hatten,daß eine bloße Goldausmünzung ohne Silbereinziehnng keine Durch-führung des Währungswechsels war. An und für sich war nichts ver-loren, als daß sich die Verhältnisse für die jahrelang verzögerte Ab-stoßung des Silbers seit dem Beginn der Reform erheblich verschlechterthatten, und daß die Möglichkeit einer klugen Verknüpfung von Kon-tribution und Münzreform verspielt war. Die schwierigsten Aufgabender Münzreform waren durch die Saumseligkeit der Reichsregieruug nichtüberflüssig gemacht, sondern mußten nun unter bedeutend ungünstigerenVerhältnissen erfüllt werden. Aber all das war nicht eine Folge derValutakrisis, sondern die Folge der bisherigen Maßnahmen der Reichs-regieruug, welche ihrerseits die Valutakrisis erst ermöglicht hatten.
Die größte Gefahr der Valutakrisis lag auf geistigem Gebiete,nämlich darin, daß sie den Anschein erwecken konnte, als ob die Geld-reform nahe an ihrer Vollendung ernsthaft bedroht sei. Dieser Glaubekonnte das Vertrauen auf die Möglichkeit der erstrebten Ziele erschüttern,er konnte die Aktionskraft der Reichsregieruug lahmen, die öffentlicheMeinung iu Deutschland in einer für die Durchführuug der Reformnachteiligen Weise verwirren und im Ausland den Kredit der deutschen Valuta schädigen.
Alles kam darauf au, daß in den maßgebenden Kreisen der un-fertige Zustand des deutschen Geldwesens als die Vorbedingung für dieErschütterung der deutschen Valuta erkaunt wurde, daß sich die Reichs-regieruug durch die von ihr nicht erwarteten Erscheinungen nicht in derDurchführung der Münzreform irre machen ließ, sondern daß sie dieÜberzeugung gewauu, daß das einzige Mittel, solchen Krisen für dieZuknnft vorzubeugen, die völlige Durchführuug des Reformmerkes sei.
Glücklicherweise war die Reichsregierung von dieser Überzeugung,welche die Fortführung der Reform gewährleistete, durchdrungen, unddamit war eine dauernde Gefährduug des Reformwerks ausgeschlossen.
Dagegen fand sie nicht die richtigen Mittel, um der akuten Krisisentgegenzuwirken.
Ein Ankämpfen gegen den ?Goldabfluß war uur in beschränktemMaße möglich, da der Goldabfluß eiue uotwendige Folgeerscheinung derdurch die Milliarden-Übertragung gestörten internationalen Zirkulations-verhältnisse war. Innerhalb gewisser Grenzen konnte der Goldabflußnicht verhindert, aber doch eingedämmt werden durch eine Verteuerungder Geldsätze in Deutschland. Die Diskonterhöhungen der Preußischen