Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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fangreiche Begebungen indischer Schatzwechsel und grundlose Gerüchte jederArt verstärkten die Wirkung des immer mehr hervortretenden Miß-verhältnisses zwischen Silberangebot und Silbernachfrage, So kam es,daß der Londoner Silberpreis in großen Sprüngen von 56^/s cl am An-fang des Jahres 1876 bis ans 46»/4 ä im Juli 1876 hinabsank.

Gleichwohl setzte die deutsche Regierung ihre Silberverkäufe fort,indem sie jeden Augenblick einer Beruhigung oder Besserung des Markteswahrnahm. Noch am 24. Juni schloß sie einen Verkauf zu 51^3 cl ab.Als das Silber jedoch von Ende Juui ab mit gesteigerter Geschwindig-keit noch tiefer sank, hielt sie sich vom Markt zurück. Dagegen begabder Indische Rat am 5. Juli einen umfangreichen Betrag von Schatz-wechseln auf Judien zu einem Kurs von 1 sri 6^/s cl pro Rnpie, welchemein Silberpreis von nur 49 cl entsprach. Darauf erfolgte der Preissturzdes Silbers bis auf 46^4 cl, ein Kurs, welcher noch lange Jahre späterfür unerhört niedrig galt.

Natürlich war es unter diesen Verhältnissen der Reichsregierung nichtmöglich, während der ersten Hälfte des Jahres 1876 wirklich beträchtlicheSilbermengen zu verkaufen. Im ganzen wurden in dieser Zeit nuretwa 440.000 Pfuud fein im Wert von etwa 35 Millionen Mark ab-gesetzt.

Um so eifriger benutzte die Reichsregierung die unmittelbar nachder Julikrisis eintretende Besserung des Silbermarktes, welche durch einenstarken Silberbedarf für den Osten verursacht war. Am 14. Juli nahmsie ihre Verkäufe zu 48 cl wieder auf, und indem sie ihren Preis schritt-weise bis auf 54 ä steigerte, verkaufte sie iunerhalb eines einzigen Monatsin London für 675.000 F Silber. Im letzten Quartal 1876 erfuhrenihre Verkäufe bei einer neuen Besserung des Silberpreises (bis aus58^2 ä im Dezember) abermals eine beträchtliche Steigerung, so daß imganzen während der zweiten Hälfte des Jahres 1876 eine Silbermengevon etwa 900.000 Pfund fein abgestoßen wurde. Die Verkäufe desganzen Jahres 1876 waren umfangreicher als die sämtlichen bisher be-wirkten Verkäufe.

Im Dezember 1876 wurde die Vermittelung der Silberverkäufe derReichsbank übertragen; das Reichskanzleramt setzte für die Verkäufeeinen Mindestpreis fest, der nach Lage der Dinge von Zeit zu Zeit ver-ändert wurde und stets so gegriffen war, daß die Reichsbank in derLeitung des Verkaufsgeschäftes so gut wie uubeschränkt war.

Die Silberveräußerung erfolgte von nun ab ganz überwiegend in