Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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London. Die Verkäufe in Deutschland wurden von der Reichsbank selbstabgeschlossen, während sich die Reichsbank zur Vermittelung der in London zu bewirkenden Verkäufe der London Joint Stock Bank bediente.

Der große Silberbedarf für die Ausfuhr nach Indien, verursachtdurch eine große Hungersnot in Indien und die gegen sie ergriffenenAbwehrmaßnahmeu, hielt während des ganzen Jahres 1877 an. Da-gegen wurde die Spekulation auf eine silberfreundliche Gesetzgebung inAmerika und auf die Aufnahme einer ungewöhnlich großen Silberauleiheseitens der indischen Regierung, Hoffnungen, welche den Silberpreis imDezember 1876 und im Januar 1877 bis auf 58^/2 cl gesteigert hatten,bald enttäuscht. Infolgedessen sank der Silberpreis bis zum Ende desersten Quartals 1877 wieder bis unter 54 cl hinab, auf einen Preis,der allerdings immer noch etwas höher war, als die Kurse, welche vordem spekulativen Aufschwung am Ende des Jahres 1876 bestanden.

Die Reichsbank benutzte den starken indischen Bedarf zur Abstoßunggewaltiger Silbermengen. Das Reich mußte auf eine Vergrößerung derdeutschen Asfinieranstalten hinwirken uud sogar ausländische Scheide-austalteu beizieheu, um in der Herstellung von Barren mit den durch dieReichsbank abgeschlosseneu Verkäufen Schritt halten zu können.

Fast 3 Millionen Pfund Feinsilber, welche einen Nennwert vonmehr als 250 Millionen Mark eingezogener Landessilbermüuzen darstellten,sind in dem einen Jahre 1877 veräußert worden.

Dabei gelang es der Neichsbank durch eine kluge und vorsichtigeBehandlung des Silbermarktes, durch große Verkäufe bei dringender Nach-frage nnd durch Zurückhaltung bei einer matten Marktlage, einen Preis-druck zu vermeiden und den Kurs des Silbers vom zweiten Quartal anfür länger als ein Jahr zwischen 53^z und 55^/8 cl zu stabilisieren.

Nachdem gegen Ende des Jahres 1877 der indische Silberbedarferheblich nachgelassen hatte und infolgedessen die Lage des Silbermarktsungünstiger geworden war, brachte das erste Quartal 1878 noch einmaleinen Aufschwung. Der Februar zeigte für lauge Zeit zum letzten Maleine starke Silbernachfrage für den Osten und am Ende desselben Monatswurde iu den Vereinigten Staaten die Blandbill Gesetz, welche umfang-reiche Silberaukäufe anordnete.

Abermals wurde die günstige Konjunktur zur Abstoßung eiues großenSilberquantums benutzt.

Als aber vou Aufaug April ab die Silberoerschiffungen nach demOsten fast gänzlich aufhörten und als sich gleichzeitig die durch die