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Blandbill hervorgerufene Spekulation ernüchterte, als außerdem gesteigerteVerkäufe indischer Schntzwechsel immer schwerer auf den Silbermarktdrückte« und der Silberpreis infolge dieser Umstände immer tiefer sank,hörte die Reichsbank mit ihren Verkäufen vollständig auf.
Erst im. letzten Quartal 1878, nachdem der Silberpreis inzwischenauf cl gesunken war, kam die Silberabstoßnng wieder in Gang.Es hatte sich infolge der langen Stockung der Verkäufe in dem Metalledepot des Reichs ein beträchtlicher Silbervorrat angesammelt. DasNeichskanzleramt drängte auf eine Wiederaufnahme der Verkäufe, undeine Besserung des Silbermarkts, welche namentlich auf einer starkenSilberuachfrage für Österreich beruhte, gab Gelegenheit, diesem Wunschenachzukommen.
Die österreichische Nachfrage beruhte darauf, daß bei dem fortgesetztenSinken des Silberpreises der Kurs des österreichischen Papiergeldes inGold sich auf seiner Höhe gehalten hatte. Infolgedessen verschwandschließlich die Differenz zwischen dem Wert des Silberguldens und demWert des Papierguldeus, das Silberagio, vollständig, ja der fortgesetzthohe Kurs des österreichischen Geldes machte die Versendung großerSilbermengen nach Österreich zum Zweck der Ausmüuzuug in Gnldenstückerentabel.
Mit dem Beginn des Jahres 1879 kam jedoch auch diese Nachfragein Wegfall. Der österreichische Finanzminister verfügte die Aufhebungder freien Silberprägung.
Zwar hatte diese Maßregel keine unmittelbare Wirkung auf denLondoner Silbermarkt, aber mangels jeder starken Silbernachfrage warfendie fortgesetzten starken Begebungen indischer Schatzwechsel, welche dieSilbernachfrage für Indien in empfindlicher Weise beschränkten, denSilberpreis, trotzdem seit dem Januar 1879 kein deutsches Silber mehrverkauft wurde, immer tiefer, bis auf 48^8 ck im März.
Von nun an jedoch begann die Lage allmählich sich wieder zu bessern.In Indien machte die schwere Depression, welche aus das Jahr derHungersnot gefolgt war, einem neuen Aufschwung Platz, welcher denSilberbedarf wieder erhöhte. Der Silberpreis besserte sich bis auf 50^/t ä,und die Reichsbank begann wieder, Silber zu verkaufen. Da kam plötz-lich und unerwartet die Nachricht, die Reichsregieruug habe die Silber-verkäufe eingestellt.
Bis zu diesem Augenblick hatte das Reich eine Silbermenge von7.102.900 Pfund fein verkauft, welche durch die Einschmelzuug aus Landes-