Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

397

silbermttnzen im Nennwert von mehr als 660 Millionen Mark stammte.Davon waren seit der Proklamation der Reichswährung etwa 6.075.000Pfund im Nennwert von etwa 570 Millionen Mark verkauft, mehr alsden höchsten damaligen Schätzungen des noch abzustoßenden Silbers ent-sprach, und nur etwa 100 Millionen Mark weniger, als der Betrag, aufwelchen Camphausen damals den gesamten noch vorhandenen Betrag vonLandessilbermünzen veranschlagt hatte ^. Trotzdem erfolgte die Einstellungder Silberverkäuse nicht etwa, weil das gesamte überflüssige Silber da-mals abgestoßen war, sondern weil trotz der großen inzwischen bewirktenSilberverkäufe der noch vorhandene Umlauf vou Thalern noch so be-trächtlich war, daß der Leiter der Reichspolitik die Verantwortlichkeit fürdie aus der völligen Abstoßuug dieses Restes eutstehenden Folgen nichtübernehmen wollte.

Die Silberabstoßung war nur ein Teil der zur Durchführung derReform notwendigen Operationen. Sie konnte ihrer Natur nach nichtso isoliert vorgenommen werden, wie in den ersten Jahren der Reformdie Goldbeschaffung; denn während die Goldbeschaffung zum größtenTeil durch Mittel erfolgte, welche der Reichsregierung ohne Gegenleistungzuflössen, machten die dem Reiche aus den Silberverkäufen zuwachsendenErlöse, welche fast ausschließlich in Forderungen ans London bestanden,irgendwelche zweite Operationen notwendig.

An und für sich bestand die Möglichkeit, die Forderungen auf London im Wege der Begebung von Tratten auf London oder im Wege desBezugs von effektivem Gold zu realisiere». Seitdem die Goldprägungfreigegeben und der Ankauf von Gold seitens der Centralbank auf-genommen war, konnte die Begebung von Wechseln auf England nichtmehr eine ähnliche Verwirrung des Wechselmarkts herbeiführen, wie imHerbst des Jahres 1871. Die Kurse hätte,? nicht tiefer als bis zu demPunkt gedrückt werden können, welcher die Einfuhr von Gold ermöglichte.

Trotzdem verwendete die Reichsregierung die Erlöse aus deu inLondon abgeschlossenen Silberverkäufen fast ausschließlich zum Ankauf vonGold und nur in Ausnahmefällen durch die Begebung von Tratten aufLondon. Sie bezog aus London effektives Gold häufig auch bei einemhohen Stande des Wechselkurses auf England , bei welchem der Weg der

! Siehe oben S. 389. Zu den von Camphnnsen genannten 6Vt> Millionen Markkommen etwa 78 Millionen Mark österreichische Thaler hinzu.