Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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verzichtete die Regierung auf die Demonetisation des Silbers und ließim Jahre 1877 das Provisorium bis auf weiteres verlängern. Es istdadurch zum Definitivum geworden.

Nur eine Änderung wurde vorgenommen. Als später die Zahlungs-bilanz sich längere Zeit ungünstig für Holland stellte, ließ sich die Negie-rung die Ermächtigung erteileu, bis zum Betrag von 25 Millionen GuldenSilber einschmelzen und dnrch Vermittelung der Niederländischen Bankgegen Gold verkaufen zu dürfen (1884).

Ein Gesetz vom 28. März 1877 schuf fürNiederländischJndiendieselbe Währungsverfassung wie sie Holland besaß: Gesperrte Silber-prägung, freie Goldprägung, aber keine Beseitigung des vorhandenenSilberumlaufs.

Wichtiger für die gesainte währungspolitische Entwickelung als allediese Veränderungen waren die Maßnahmen der Staaten des lateini-schen Münzbundes.

In Frankreich hatte beim Ausbruch des Krieges der Gold-währungsgedanke durch die Beschlüsse des Ocmssil supsi -!sui- einen ent-scheidenden Sieg erfochten Der Krieg und seine Folgen drängten dieWährungsfrage in den Hintergrund, In Rücksicht aus die zu zahleudeKriegsentschädigung und auf den Zwangskurs konnte die französischeRegierung nicht daran denken, sich durch eine Einstellung der Silber-prägung die Möglichkeit der Schaffung metallischer Zahlungsmittel zuverkümmern. Außerdem waren, infolge des verhältnismäßig günstigenStandes des Silberpreises und infolge des Zwangskurses der Noten derBank von Frankreich , die Prägungen von silbernen Fünffrankenstttcken inden Jahren 1871 und 1872 geringer als in den vorhergehenden Jahren.

Das allmähliche Verschwinden des Agios auf Metallgeld uud dasSinken des Silberpreises, der schon im November 1872 bis auf 59V4 ähinabging, ließ die Silberprägungen der lateinischen Union beträchtlichanschwellen. Im Jahre 1873 wurden für mehr als 308 Millionen FrancsFünffrankenthaler ausgemünzt. Damit drohte die Umkehr von dem that-sächlich weit überwiegenden Goldumlauf zu einem Silberumlaus zu be-ginnen.

Beim Eintritt der umgekehrten Konjunktur im Jahre 1850 hattensich die Frankenländer bereitwillig dem eindringenden Golde geöffnet undeinen großen Teil ihres Silberumlaufs preisgegeben, nicht durch bewußte

l Siehe oben S. 105.