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Entschlüsse, sondern infolge der automatischen Wirkungen ihres bimetallisti-schen Systems. Daß sie sich gegen diese Wirkungen nicht gesträubt haben,war einer der wichtigsten Gründe der auffallenden Thatsache, daß dieunerhörte Vermehrung der Goldproduktion das Wertverhältnis zwischenGold uud Silber nur um weuige Prozente verschob.
Jetzt begann das bimetallistische System auf den Müuznmlauf derlateinischen Union in der umgekehrten Richtung einzuwirken. Eine ausverschiedenen Ursachen hervorgehende Steigerung des Silberangebots undVerminderung der Silbernachfrage drückte den Silberpreis unter dasder lateinischen Doppelwährung zu Gruude gelegte Wertverhältnis hinab.Unter diesen Verhältnissen mußte das bimetallistische System einen starkenZufluß vou Silber uud einen starken Abfluß von Gold verursachen unddadurch abermals bis zu einem gewissen Grad ausgleichend auf die Ver-änderungen des Wertverhältnisses einwirken. Die lateinische Union hattedamals — gering veranschlagt — einen Goldumlauf von etwa 4 Milliar-den Francs. Die Ersetzung dieser gewaltigen Goldmenge durch Silberhätte sich erst in einer langen Reihe von Jahren vollziehen können. Darausfolgt nun allerdings nicht, daß für die zu dem völligen Verschwindendes Goldumlaufs erforderliche Zeit ein Silberpreis, der bis auf die ge-ringen, durch Transportkosten und ähnliche Momente verursachten Schwan-kungen der französischen Relation entsprochen hätte, gesichert gewesenwäre. So gnt vor 1873 das Aufgeld von Silber während des un-gestörten Bestehens der Doppclwährung 3,8 Prozent erreichen konnte(1857), ebenso gut hätte nach 1873 bei einem Fortbestehen der Doppel-währung das Goldagio die Höhe von 4 oder 5, ja selbst von 10 Prozentund mehr erreichen können; damit wäre der Einfluß des bimetallistischenSystems auf das Wertverhältnis, der niemals ein unbedingter war^,völlig gebrochen gewesen.
Alle diese Erwägungen können nns jedoch nicht hindern, zuzugeben,daß die Aufrechterhaltung der freien Silberprägung in der lateinischenUnion für eine Reihe von Jahren ein starkes Gegengewicht gegen dieSilberentwertung gewesen wäre.
Die Frankenländer standen unter diesen Verhältnissen vor der Frage,ob sie die Wirklingen des bimetallistischen Systems auch dieses Mal übersich ergehen lassen sollten, ob sie sich durch eine Rückkehr zum Silber-