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für 1876 und sogar das provisorisch für 1877 vorgesehene Kontingent,81 Millionen Francs, bereits vergeben war.
Im gleichen Jahre wie in Frankreich wurde auch iu Belgien diePrägung von silbernen Fünffrankenstücken eingestellt. Belgien prägtesein Kontingent für 1877 nicht mehr aus.
Italien dagegen gab sich nicht zufrieden. Da mit dem Ablauf desJahres 1877 keine vertragsmäßigen Abmachungen über die Silberprägungmehr bestanden, und Italien durch nichts gezwungen war, sich aus neueAbmachungen einzulassen, wurden ihm, um es an der unbegrenzten Silber-prägung zu verhindern, auch für 1878 und 1879 abermals Kontingentezugestanden.
Das Endresultat der Entwickelung innerhalb des lateinischen Münz-bundes war also die definitive Preisgabe der Doppelwährung vermögeder völlige«: Einstellung aller Ausmünzungen von Silberknrantgeld. Einweiterer Schritt zur reinen Goldwährung ist bisher in diesen Ländernnicht gethan worden.
Oft ist die Frage aufgeworfen worden, wie weit Deutschlands Übergang zur Goldwährung zur Beseitigung der Doppelwährung in derlateinischen Union beigetragen habe.
Eine Gruppe von Währuugspolitikern behauptet, Deutschland habedurch seinen Währungswechsel die Aufrechterhaltung der lateinischenDoppelwährung unmöglich gemacht.
Die deutsche Münzreform hat, indem sie das Silbcrangebot verstärkte,die Doppelwährung nur iu demselben Sinne unmöglich gemacht, wie es20 Jahre früher die kolossale Steigerung der Goldproduktion gethan hat.Unmöglich gemacht war durch das nicht ausschließlich, nicht einmal vor-wiegend durch Deutschland verursachte Sinken des Silberwertes nur dieAufrechterhaltung der in der lateinischen Union thatsächlich bestehendenGoldwährung.
Aber die Aufrechterhaltung der Doppelwährung mußte es dochDeutschland ermöglichen, sein überflüssiges Silber nach Frankreich undBelgien abzustoßen! — Allerdings.
Gegen diese eindringenden Silbermassen mußte sich doch die latei-nische Union verteidigen!
Mußte? — Warum? — hat sie sich gegen die von 1850—1865eindringenden Goldmassen verteidigt? — Nein. — Und warum nicht? —Weil niemand das eindringende Gold als etwas Unangenehmes oder