Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
416
Einzelbild herunterladen
 

416

Nachteiliges empfand, weil der Übergang vom Silberumlauf zum Gold-umlauf den Fortschritt von einem weniger tauglichen zu einem besserenund bequemeren Umlaufsmittel darstellte, kurz aus demselbcu Grund,aus welchem die Meuschen seit der Bezwingung des Dampfes die Eisen-bahnen den Postkutschen und die Dampfschiffe den Segelschiffen vorziehen.

Wer aber diesen Unterschied zwischen Silber und Gold nicht zugebenwill, kann schlechterdings keinen vernünftige« wirtschaftlichen Gruud dafüraugebeu, warum Frankreich und seine Münzverbündeten es notwendigfanden, sich gegen das Silber zu verteidigen.

An Stelle des einzigen vernünftigen wirtschaftlichen Grundes, dervorhanden war, den mau aber nicht sehen wollte, haben nun bimetallistischeGeschichtschreiber einen unvernünftigen politischen Grund für dieSchutz-maßregel" verantwortlich gemacht: Der Haß gegen Deutschland soll sich,wie behauptet wird, auch auf das deutsche Geld erstreckt haben; allerdingsnur auf das deutsche Silbergeld, denn als sich für die Franzosen Gelegenheit bot, deutsche Goldmünzen umzuprägen, war ihnen das deutscheGold so willkommen,'wie das Gold der ganzen übrigen Welt. DieFurcht vor derInvasion ckss tkalers prussisns" aber war, wie manerzählt, stark genug, um die Franzoseu zur Zertrümmerung ihrer Doppel-währung zu reizen.

Was machte man in Deutschland mit dem demonetisierten Silber?"schreibt Cernuschi^.Man schickte es nach Frankreich , man ließ esin Fünffrankenstücke prägen, uud mit diesem Zahlmittel kaufte manWechsel in Livre Sterling , oder man nahm französisches Gold, welchesman ausführte. Das Silber floß in Strömen nach Frankreich . Diefranzösische Negierung wurde darüber unruhig, und am 6. September1873 wurde Befehl an die Pariser Münze geschickt, die Prägung auf40.000 Thaler pro Tag zu beschränken."

Wie wenig zutreffend diese Darstellung ist, läßt sich daraus eutnehmen,daß die deutsche Regierung vor dem Oktober 1873 überhaupt kein Silberverkauft hat, mährend die Beschränkung der französischen Silberprägungbereits am 6. September erfolgte.

Überdies ging die Initiative zur Beschränkung und Einstellung derSilberprägung, wie wir wissen, von der Schweiz aus, für welche ledig-lich der Wunsch der Erhaltung des Goldumlaufs, uicht eine Abneigunggegen deutsche Thaler maßgebend war.

- Bimetallistisches Pari. Deutsche Übersetzung Köln 1892. S. 21.