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zu einem dringenden Bedürfnis machte, und durch die gleichzeitigen großenGoldfunde, welche die Befriedigung dieses Bedürfnisses in einem solchenGrade ermöglichten, daß der Gebrauch des Goldes biunen weniger Jahreeine ungeahnte Ausdehnung erfuhr. Während das Verschwinden desSilbergeldes die Dovpelivährungsläuder nötigte, auch größere Silber-münzen als Scheidegeld auszuprägen, rief der Gebrauch des Goldes inden Ländern, denen das Gold zunächst zufloß, den Wunsch wach, sich denGoldumlanf zu erhalten und den Silberumlauf auf seinen notwendigenUmfang zu beschränken; die Länder, deren Münzsustem, wie die deutscheSilberwährung, für das Gold keinen Raum bot, sahen sich in eineisolierte Stellung gedrängt, und daß auch sie nun die Goldwährung an-strebten, dafür war neben Gründen, welche in den Mängeln der Silber-währung an sich begründet waren, von größter Bedeutung die Notwendig-keit, den verlorenen Anschluß an das Geld der wichtigsten Handels-staaten znrückzuerlangen.
Das ist die Psychologie der Goldwährungsbestrebungen vor derdeutschen Müuzreform, die jeder aus der geschichtlichen Entmickeluugdieser Bestrebungen herauslesen kann.
Der wirkliche Sachverhalt stellt sich also folgendermaßen dar:
Nicht Deutschlands Münzreform zwang die übrigen Länder zur Gold-währung überzugehen, sondern das ausgesprochene Bestreben der ganzenKulturwelt, die Goldwähruug, wo sie thatsächlich bestand, gesetzlich festzu-legen, wo sie nicht bestand, neu einzuführen, war für Deutschland einGrund, sein neues Münzsnstem auf dem Boden der Goldwährung auszu-bauen. Deutschland ist dem Zug gefolgt, der die Welt beherrschte; eshat uicht durch eineu Willkürakt die wirtschaftsgeschichtliche Entwickelungvergewaltigt, sondern es ist von einer auf natürlichen Prinzipien be-ruhenden wirtschaftlichen Entwickelung ebenso geschoben worden, wie dieanderen Staate,?, welche nach ihm zur Goldwährung übergegaugeu sind.
Deutschland hatte nur die Klugheit und das Glück, der erste Staatzu sein, welcher in dei? allgemeinen Umwandluugsvrozeß eintrat. Eshatte dadurch vor allen anderen Ländern einen Vorsprung, der, richtigbenutzt, die unvermeidlichen Verluste und die unverkennbaren Schwierig-keiten des Währungswechsels erheblich vermindern konnte.
In unmittelbarem Zusammenhang mit diesen tiefgreifenden Ver-änderungen der Währuugsverfassung iu einer Reihe der wichtigsten