Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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zu verhindern. Nachdem durch die englische Note, deren Quelle manleicht erraten könne, und durch das Verhalten der Reichsregierung dieInterpellation notwendig geworden sei, habe man sich darauf beschränkt,zu fragen, ob die Regierung eine Änderung der Münzgesetzgebung beab-sichtige. Ein einfachesNein" ans diese Anfrage würde jede Diskussionüberflüssig gemacht haben.

In die Frage der Sistierung der Silberverkäufe wolle er sich über-haupt nicht einmischen, dafür sei der Reichstag nicht kompetent, das seiSache der Exekutive.

Sachlich hätte er es ganz gut verstanden,wenn die Neichsregierungresp, der Herr Präsident der Reichsbank, welcher die Sache, soweit iches verfolgen konnte, mit ganz vorzüglicher Sachkenntnis und großer Auf-merksamkeit bis jetzt dirigiert hat, wenn der ganz im stillen die Silber-verkäufe eingestellt und für sich, meinetwegen im Einverständnis mit demHerrn Reichskanzler, beschlossen hätte, nun einmal vom Markte wegzu-bleiben und das Silber steigen zu lassen."

Die Art, wie die Einstellung der Silberverkäufe bekannt gewordensei, habe jedoch die Absicht erkennen lassen' die Sache in die Öffentlichkeitzu bringen.

Znm Schluß betonte er, Deutschland stehe in der Währungsfragebesser als alle anderen Länder, nnd er warnte davor,sich von England in dessen Interesse herauslockeu zu lassen."

Bismarck antwortete überaus heftig.

Vor allem regte er sich über die Andeutung ans, daß Lord Ruf sellsNote sich auf Bleichröder stütze. Er bezeichnete diesen Hinweis inAnbetracht dessen, daßdurch skandalöse und schnöde Prozesse weltbekanntist, daß dieses selbe Bankhaus mein Bankier und Geschäftsführer inPrivatangelegenheiten ist", als eine Insinuation, die ihn an dieNeichs-glocke" erinnere.

Dann gab er seinem Ärger darüber Ausdruck, daß unter den Unter-zeichnern der Interpellation sich viele seiner Gegner in der Tariffragebefänden. Er habe den Eindruck, daß die Diskussion über die Währungs-frageeine kleine Diversion znr Erholung vom Tarifkampf" fein solle.

Was die Interpellation selbst betraf, so erklärte er, es falle ihmnicht im Traume ein, sich den Kopf zu zerbrechen, wie er Befürchtungenbeschwichtigen solle,nnd Herr Bamberger mag fürchten was er will, ichwerde ihn nicht beruhigen".