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Die Heftigkeit, mit welcher sich Bismarck gegen die Unterzeichner derInterpellation, namentlich gegen Bam berger, wandte, findet in derSache selbst nicht die mindeste Erklärung, Die Anfrage und die Art,wie sie begründet wurde, konnte Bismarck keinen Anlaß geben, die Inter-pellanten so derb anzulassen. Bismarcks Verhalten läßt sich deshalb nuraus Umständen erklären, welche an und für sich mit der Währungsfragenichts zu thun hatten.
Bismarck war damals äußerst gereizt und erbittert durch deu Wider-spruch, welchen seine Tarifentwürfe bei Leuten fanden, deren Unterstützungihm lange Zeit wertvoll gewesen war. Namentlich richtete sich sein Un-mut gegen den freihändlcrischen Flügel der Nationalliberalen. Er wolltegeschlossene Parteien zu seiner Verfügung haben, und gerade damals ver-suchte er alles, um in die politische Lage und in die Parteigruppicrungen,welche sich durch die neuen wirtschaftlichen Kämpfe verschoben hatten,Klarheit zu bringen.
Zwar hatte sich Bismarck im März 1879 mit Windthorst aus-gesöhnt und die Unterstützung des Centrums für seine Tarifresorm ge-wonnen. Aber um mit den für seine neue Wirtschaftspolitik unbedingtsicheren Konservativen eine Mehrheit bilden zu köunen, dazu wollte ereine ihm ergebene Nationalliberale Partei . Diesem Wunsch standenMänner wie Lasker, Bamberger, Forckenbeck und andere ent-gegen. Wider diese kehrte sich in jener Zeit der ganze Zorn des Ge-waltigen. Bereits im Mai 1879 hatte er Lasker und Forckenbeck in ähn-licher Weise brüskiert, wie nun Bamberger, ohne daß ein triftiger Grundfür eii? derartig schroffes Auftreten gegeben war.
Der Eindruck, welchen die Verhandlungen vom 19. Juni 1879 inBezug auf ihren Kernpunkt, die Währnngssrage, hinterließen, war dereiner Absage des Reichskanzlers an die Vertreter der Goldwährung ohneeine gleichzeitige Zusage an den Bimetallismus. Aber allgemein hoffteoder fürchtete man, Bismarck werde sich über kurz oder lang in irgend einerForm für die Doppelwährung entscheiden, nnd Bismarck selbst that min-destens nichts, was dieser Meinuug Eintrag thun konnte.
Die thatsächliche Wirkung der Verhandlungen war die Klarheitdarüber, daß die völlige Durchführung der Goldwährung, uud damit dieprogrammgemäße Beendigung der Geldreform, abgebrochen und auf un-bestimmte Zeit vertagt war.
Die Gründe für diese plötzliche Unterbrechung der Reform bestanden