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So anerkennenswert indessen das Prinzip ist, den Gesamtabgangeiner Münzsorte nach der Zeit der Prägung der einzelnen Stücke abzu-schätzen, so gering ist die Überlegenheit seiner praktischen Ergebnisse überdie Abschätzung auf Grund der mit anderen Sorten gemachten Er-fahrungen. Die von Arendt für die einzelnen Thalergruppen angenom-menen Abgänge sind mindestens ebenso willkürlich gegriffen, wie der vonDechend angenommene Gesamtabgang von 17"/».
In neuerer Zeit haben sich mm für die Abschätzung des vorhandenenBetrags von österreichischen Thalern zuverlässige Anhaltspunkte ergeben.
Die Neichsbank sammelt diese Stücke seit vielen Jahren an; seit1873 sind die bei ihr eingehenden österreichischen Thaler, „abgesehen vonganz verschwindenden und vorübergehenden Ausnahmen", nicht mehr inVerkehr gesetzt worden, und auch gewisse größere öffentliche Kassen er-hielten später Anweisung, die bei ihnen eingehenden österreichischen Thalersofort an die Reichsbank abzuliefernd Außerdem hat die in den erstenJahren der Münzreform obwaltende Unsicherheit über das Schicksal dieserThaler und das in neuerer Zeit wiederholt anftauchende Gerücht vonihrer baldigen Außerkurssetzuug die Ansammlung dieser Sorte bei derReichsbank wirksam unterstützt. Im Umlauf sind diese Stücke seit Jahrenüberaus selten. Die vom Neichsschatzamt der Silberkommission (AktenstückNr. 13) vorgelegte Denkschrift nimmt an, daß sich damals (April 1894)kaum mehr als 4—5 Millionen Mark noch in Zirkulation befanden.Selbst diese geringfügige Snmme dürfte zu hoch gegriffen sein.
Von den österreichischen Thalern lagen nach der erwähnten Denk-schrift Ende April 1894 in der Reichsbank 47 165.000 Mark. Der Ge-samtbetrag der um diese Zeit vorhandenen österreichischen Thaler dürftealso kanm höher als auf 50 Millionen Mark zu schätzen sein.
Eingezogen waren bis zu diesem Zeitpunkt (Ende April 1894) inÖsterreich 55.497 Mark, in Deutschland die 26 Millionen Mark, welcheÖsterreich aus Grund des Abkommens vom 20. Febr. 1892 übernahm.Im ganzen dürften also von der Gesamtausprägung von 93,9 MillionenMark österreichischer Thaler um das Jahr 1890 vorhanden gewesen seinetwa 76—77 Millionen Mark, so daß sich der Abgang auf etwas über18 °/o belaufen würde, also ungefähr ebenso hoch, wie bei den Zweithaler-stücken. Bei den Verhandlungen mit Österreich über das Schicksal derösterreichischen Thaler wnrde angenommen, daß der Abgang 17 °/o be-
l Protokolle der Silberkommission, 1894, Aand I S. 36S.