Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Umlauf, so daß der Gesamtvorrat von Thalern einschließlich des Be-standes der Reichsbank sich auf 525 Millionen Mark stellen würde.

Dieser Aufstellung trat der Geh. Oberregierungsrat Or. von Glasenappmit einer sorgfältigen Schätzung entgegen, welche nach der von Arendtim Jahre 1880 angewendeten Methode ausgearbeitet ist'.

Für die noch im Umlauf befindlichen Thaler aus der Zeit von17501822 fetzte v. Glasenavv 4 Millionen Mark an, eine Summe,welche er selbst für zu hoch gegriffen hielt und welche zweifellos zu hochgegriffen ist.

Hinsichtlich der Thaler von 18231856 teilte er mit, daß dieseStücke feit 1873 im allgemeinen von der Reichsbank einbehalten werden,daß es jedoch den Reichsbankkassen gestattet sei, diese Thaler wiederauszugeben, wenn die Bestände einer Bankanstalt an Vereinsthalern er-schöpft sind und die Zuseuduug von Verstärkungen unverhältnismäßigePortokosten verursachen würde.

Am 30. April 1894 hatte die Reichsbank an solchen Thalern rund85 Millionen in ihren Kassen. Nimmt man einen Abgang von 20 °/oan, wie ihn Arendt bei seiner Schätzung von 1880 veranschlagthatte, so würden 118,4 Millionen Mark noch vorhanden sein, und davonsich 33^s Millionen im freien Umlauf befinden. Für den Nord-deutschen mag diese Summe niedrig gegriffen erscheinen, für den Süd-deutschen zu hoch; denn im Norden begegnet man den Stücken aus derZeit vor dem Wiener Münzvertrag bedeutend häufiger als im Süden.

Für die Vereinsthaler aus der Zeit von 18571865 nahm Arendt1880 einen Verlustsatz von 10°/» an. v. Glasenapp erinnerte nun daran,daß diese Thaler aus der gleichen Zeit stammen, wie die österreichischenVereinsthaler. Nun ist zweifellos, daß die österreichischen Thaler nichtausschließlich nach Deutschland abgeflossen sind, fondern daß sie, als siebei den obwaltenden österreichischen Währungsverhältnissen in Österreich felbst nicht Fuß fassen konnten, ähnlich wie die österreichischen Silber-gulden teilweise auf außerdeutschen Münzstätten eingeschmolzen und umge-prägt worden sind. Andrerseits haben gerade hinsichtlich der österreichischenThaler die Verhältnisse dahin gewirkt, sie vor dem normalen Verlustdurch Einschmelzung und Verschleuderung zu bewahren. Sie kamen, wieArendt in derVertragsm.-Doppelwährung" selbst erzählt,zum großenTeil durch die österreichische Kriegsentschädigung von 1866 nach Deutschland ,

' Protokolle der Silberkommission, Band I S. 353.