Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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demJahresbericht der Handels- und Gewerbekammern in Württemberg für das Jahr 1867" wiedergegeben,

Eine in letzter Zeit angestellte Erhebung von 115 Kassenbeständenergab folgendes Verhältnis der Umlaufsmittel:

Silbergeld 30,66 °/«. - Goldgeld 31 °/o. Papiergeld 38,34 ° o...

Was die Silbermünzen betrifft, so kursieren sie in allen möglichenWährungen, alten und neuen. Man begegnet neben süddeutschen undösterreichischen Gulden und norddeutschen Thalerstücken auch manchenlängst verrufenen Sorten. . . Ferner Franken in 5-, 2-, 1-, V2- undV4-Stücken, holländischem, englischem und amerikanischem Silbergelde, . -

In den ermittelten 115 Kassen finden sich die 30,66 °/o Silber-mttuzen in Scheidemünzen mit ca. 11, in süddeutschen Gulden mit37, in österreichischen Gulden mit 15, in preußischen und Vereins-thalern mit 33, in diversen ausländischen Sorten mit 4 °/overtreten . . .

Als Goldmünzen zirkulieren Napoleons , Friedrichsdor, Pistolen,österreichische, holländische, württembergische, badische, hessische?c. Dukaten,Kronen, Guineen, Dollars, russische Jmperialen lind diverse alte Gold-münzen . . .

Das durchschnittliche Verhältnis der 31 °/o Goldsorten in den auf-geführten Kassen beträgt annähernd:

Napoleons 46 °/o, Friedrichsdor 38 °/o, Pistolen 4°/», württembergischeDukaten 2 °/», diverse Goldmünzen 10 °/o . . .

Als Papiergeld zirkuliert das sämtliche Staatspapiergeld der deutschen Staaten, die Noten der süd- und norddeutschen Banken und Korpora-tionen . . . Hierzu kommen österreichische, französische, holländische, eng-lische, amerikanische Banknoten."

Fremde Geldzeichen bildeten also einen so beträchtlichen Teil derdeutschen Zirkulation vor der Münzreform, daß sie bei einer Untersuchungüber den Umfang des Geldumlaufs zu dieser Zeit nicht übergangenwerden dürfen. Wenn auch alle diese Sorten, mit Ausnahme der öster-reichischen Thaler, keinen gesetzlichen Kurs in Deutschland hatten, ver-sahen sie doch in volkswirtschaftlicher Beziehung so gut wie die Münzendeutschen Gepräges und die deutschen Staatsscheine und Banknoten denDienst von Umlanfsmitteln.

Die Schätzung der Größe des Umlaufs fremder Geldsorten in Deutsch-land kann nur eine sehr gewagte sein, da ähnlich sichere Anhaltspunktc,

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