Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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wie wir sie hinsichtlich des Umlaufs deutschen Geldes und deutscher Geld-zeichen haben, vollkommen fehlen.

Die wichtigsten der hier in Betracht kommenden Geldsorten warendie österreichischen Silbergulden und das silberne und goldene Frankengeld.

An österreichischen Silbergulden war Ende des Jahres 1871 einBetrag von 172 Millionen Gulden ausgeprägt. Nimmt man an, daßderselbe Prozentsatz, wie bei den gleichzeitig geprägten österreichischenVereinsthalern, verzettelt und eingeschmolzen worden ist (1718 °/o), soergiebt sich für das Jahr 1871 ein Bestand von 140145 MillionenGulden.

Die österreichische Nationalbank besaß Ende des Jahres 1871 einenSilbervorrat von 100 Millionen Gulden; dieser Vorrat bestand sicherganz liberwiegend aus geprägtem österreichischen Silbergeld. Außerdemwar in den Händen österreichischer Banquiers und österreichischer Privat-personen ein erheblicher Bestand an Silbergeld, und jedenfalls befandensich auch in den Kassen außerdeutscher und außeröstcrreichischer Bankenund Edelmetallhändler ansehnliche Beträge österreichischer Silbergulden.

Man wird deshalb eher zu hoch als zu niedrig greifen, wenn mandie in Deutschland unmittelbar vor dem Beginn der Münzreform um-laufenden österreichischen Silbergulden auf etwa 35 Millionen Guldenveranschlagt. Bei dem damaligen Wert des Silberguldens in deutschemGeld ( 2/3 Thaler) entspricht diese Summe einem Wert von 70Millionen Mark.

In Anbetracht der lebhaften Klagen über das Eindringen der öster-reichischen Gulden in den deutschen Münznmlauf, welche zur Zeit derMünzreform in der Presse und im Reichstag erhoben wurden, könntediese Schätzung als zn niedrig erseinchen. Man darf jedoch nicht ver-gessen, daß während der Münzreform selbst sich Verhältnisse herausbildeten,welche die Einwanderung des österreichischen Silbergeldes ganz besondersbegünstigten und ihren Umlauf in Deutschland erheblich vermehrten.Vor der Münzresorm war die Zirkulation der österreichischen Silberguldenim wesentlichen auf den Süden Deutschlands und auf den unmittelbarenGrenzverkehr beschränkt. Da fast ausschließlich Süddeutschland in Be-tracht kommt, bieten die Ergebnisse der oben angeführten württembergi-schcn Kassenenquete einen gewissen Anhaltspunkt zur Kontrolle unsererSchätzung. Das in den 115 Kassen festgestellte Silbergeld bestand zu37 °/o aus süddeutschen: Silberkurant, zu 15 °/o aus österreichischen Gulden.Es waren also in diesen Kassen 2V2 mal so viel süddeutsche Silber-