Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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kurantmünzen als österreichische Gulden vorhanden. Der GesanttumlnufVon süddeutschen Silberkurantmünzen betrug bei Beginn der Münzreformetwa 156 Millionen Mark. Das Zweiundeinhalbfache des auf 70 MillionenMark veranschlagten Umlaufs österreichischer Silbergulden wäre 175Millionen Mark.

Man darf also annehmen, daß der Umlauf österreichischer Guldenin Deutschlaud bei Beginn der Münzreform die Summe von 70 MillionenMark nicht überstieg.

Gegenüber dem österreichischen Guldengeld treten alle übrigen aus-ländischen Silbermünzsorten erheblich zurück. Der Umlauf der nach ihmwichtigsten Stücke, der Fünffrankenstücke und der holländischen Gulden,war gänzlich aus Süddeutschlaud beschränkt. Holläudische Gulden warenverhältnismäßig selten. Fünffrankenstücke liefen in größeren Mengen um.Eine Abschätzung ist hinsichtlich des Umlaufes der letzteren noch schwieriger,wie hinsichtlich der österreichischen Guldeu, da die ausgeprägten Münzensehr erhebliche Summen darstellte» und ihr Umlaufsgebiet ein sehr aus-gedehntes war.

Die württembergische Kasseuenquete stellte unter den vorgefundenenSilbermünzen nur 4 °/o indiversen ausländische«: Sorten" fest; unterdiesen sind alle ausländischen Silbermünzen mit Ausnahme der öster-reichischen verstanden. Legt man das bei dieser Enquete zwischen denSilberkurantmünzen der Guldenwährung und dendiversen ausländischenSorten" festgestellte Verhältnis von 9 zu 1 zu Grunde, dann ergiebt sichein Umlauf dieser fremden Münzen in der Höhe von 1718 MillionenMark.

Freilich darf nicht vergessen werden, daß die Zeit der württem-bergischen Kassenenquete die Zeit war, in welcher der Gesamtumlanf desfranzösischen Kurantsilbergeldes durch den hohen Stand des Silberpreisesam meisten zusammengeschrumpft war, und daß die folgenden Jahre all-mählich wieder stärkere Silberauspräguugen in der lateinischen Unionund damit sicher auch eiue Vermehrung des in Deutschland umlaufendenfranzösischen Silbergeldes brachten.

Dennoch dürfte der Gesamtbetrag der in Deutschland außer demösterreichischen Silbergeld umlaufenden fremden Silbermünzen um dieMitte des Jahres 1871 die Summe von 25 bis 30 Millionen Mark kaumüberschritten haben.

Alles in allem ist danach der Umlauf sämtlicher fremden Silber-münzen um diese Zeit auf etwa 100 Millionen Mark zu veranschlagen.