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Behufs Abschätzung des Betrags der in Deutschland vor der Reformumlaufenden fremden Goldmünzen ist hier und da auf die Thatsache ver-wiesen worden, daß nach Beginn der Ausprägung der Reichsgoldmünzenseitens der Seehandlung in kurzer Zeit etwa 266 Millionen Mark fremderGoldmünzen in Deutschland für die Reichsregierung zusammengekauftworden sind ^.
Hier ist jedoch in Betracht zu ziehen, daß diese Ankäufe erst erfolgten,nachdem die Abtragung der französischen Kriegskosten-Entschädigung bereitsbegonnen hatte. Bei den eigentümlichen Verhältnissen, in welchen sichdamals das deutsche Geldwesen befand, waren die deutschen Wechselkurseauf das Ausland, namentlich auch auf England , erheblich gesunken.Darin lag ein Anreiz, soviel wie möglich in Deutschland brauchbareZahlungsmittel nach Deutschland zu versenden. Zweifellos hat sichdamals in kurzer Zeit der deutsche Bestand an fremden Goldmünzen ganzbeträchtlich erhöht. Es ist außerdem nicht unwahrscheinlich, daß eingroßer Teil der von der Seehandlung aufgekauften Goldmünzen erstimportiert wordeu ist, als die Seehandlung als Käufer für diese Sortenauftrat, und daß große Beträge zu dem einzigen Zweck nach Deutschland importiert worden sind, an die Seehandlung verkauft zu werdeu.
Wenn wir hier die Ergebnisse der württembergischen Kassenenquetein Betracht ziehen, so fällt zuerst die Thatsache auf, daß in diesen Kassendie Goldmünzen fast genau ebeuso stark vertreten waren wie dieSilbermünzen.
Daraus darf jedoch nicht auf ein gleiches Verhältnis im freien Um-lauf geschlossen werden. Es ist eine natürliche Erscheinung, daß inKassen mit großen Beständen Geldstücke und Papierscheine, welche aufgrößere Summen lauten, stärker vertreten sind, als im freien Umlauf.So erklärt es sich auch, daß in den 115 württembergischen Kassen diePapierscheine eine größere Summe darstellten als die Silbermünzen undals die Goldmünzen. Dabei betrug um die Zeit dieser Enquete derganze gedeckte und ungedeckte deutsche Notenumlauf »och nicht 600 Mill.Mark; mit den 180 Millionen Mark Staatspapiergeld belief sich derPapiernmlanf auf etwa 780 Millionen Mark gegen anderthalb Milliardean deutschem und ausländischem Silbergeld. Nichtsdestoweniger war inden 115 Kassen das Verhältnis des Papiergeldes zum Silbergeld 38,34zu 30,66.
' Siehe Bamberger, Neichsgold» S. 13.