Auch in den folgenden Jahren hat Deutschland große Massen aus-ländischer Effekten aufgenommen. Der Bericht der Ältesten der Berliner Kaufmannschaft erwähnt hauptsächlich amerikanische und italienische Wert-papiere. Mit Stolz hebt der Bericht für 1865 hervor, daß Berlin zuden ersten Börsenplätzen des Kontinents zähle.
Der Niedergang der Getreidepreise in jenen Jahren ^ trug gleichfallsdazu bei, die Handelsbilanz für Deutschland ungünstig zu gestalten, wennauch damals schon, wie der Bericht der Berliner Kaufmannschaft für 1866hervorhebt, der Einfluß der Fondsarbitrage auf die ausländischen Wechsel-kurse weit größer war als der Einfluß des Getreideexports.
Die Folge der ungünstigen Gestaltung der Handelsbilanz und derWechselkurse, welcher die Preußische Bank vergebens durch Diskont-erhöhungen entgegenzutreten suchte, war, daß nicht nur Silberbarren,sondern auch beträchtliche Mengen geprägten deutschen Geldes exportiertwurden, daß die wenig abgenutzten alten Thaler des 14-Thalerfußes, dieeinige Promille mehr Silber enthielten als die seit 1857 geprägtenStücke, bei welchen ferner die Ausscheidung des Kupfers lohnte, undwelche vielfach auch Gold enthielten^, mit Aufgeld aufgekauft und ein-geschmolzen wurde».
Die Thatsache wird in Handelskammerberichten und Zeitungen ausjener Zeit mitgeteilt, und sie findet ihre Bestätigung in den HamburgerKursen des Thalers. 1865 sank der Thalerkurs auf 153, d. h. statt151"/i<- Thaler erhielt man 153 Thaler für 300 Mark Banko. Dergeprägte Thaler war also in Hainburg zeitweise ^/s°/o weniger wert alssein gesetzlicher Silbergehalt. Daß sich unter diesen Umständen die Ein-schmelzung vollwichtiger Silbermünzen gut lohnte, ist klar.
Aber nicht nur in Hainburg, sondern in Berlin selbst sank derThaler unter den Wert seines gesetzlichen Silbergehaltes. Im Jahre1865 wurde dort (nach dem Bericht der Kansmannschaft) Silber zu30Vs bis 301/4 Thaler pro Pfund fein gehandelt. Die Thätigkeit derMünzstätte kam ins Stocken, da bei diesen Silberpreisen jede Ausmünzungmit Verlusten verbunden war.
Es ist gewiß eine auffallende Thatsache, daß sich der Wert desungeprägten Silbers um etwa ^/«°/o über den Wert des geprägtenSilbers erheben konnte.
- 1861 durchschnittlich pro Berliner Scheffel 91,8 Sgr., 1864 nur 66,8 Sgr.,186S 67,7 Sgr.
2 Die vor 1823 geprägten Stücke waren durchweg goldhaltig, f. Tabelle S. 104.