Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Auf den ersten Blick scheint eine Änderung des Wertverhältnisseszwischen Gold und Silber mit den Beziehungen zwischen Silbergeld undSilberbarren nichts zu thun zu haben. Steigt der Wert des Silbers,dann steigt mit ihm der Wert des geprägten Silbergeldes. Wie abersoll dadurch eine Änderuug des Silberpreises im Gelde einer Silber-währung entstehen?

Arendt verzeichnet in derInternationalen Zahlungsbilanz" lediglichdas Faktum, ohne eine Erklärung dafür zu geben. In derVertrags-mäßigen Doppelwährung" dagegen läßt er sich folgendermaßen über diemerkwürdige Thatsache aus:

Übrigens traten bald alle Folgen einer überwertigen Valuta ein,das Rohmaterial wurde teurer als das gemünzte, die Münze vermochtedeshalb nur mit Schaden und in geringem Umfange zu arbeite», unddie Handelskammern begannen schon über den Mangel an vollwichtigemSilbergeld zu klagen, als 1865 ein Umschwung eintrat und der Silber-preis zu sinken begann/'

Es ist ganz unerfindlich, inwiefern es eine Folge derüberwertigenValnta" sein kann, daß das Nohmetall teurer wird als das gemünzte.Überwertige Valuta ist ein relativer Begriff und bedeutet eiue Valuta,die im Verhältnis zu andern Valuten gestiegen ist. Wie kann aber dieVeränderung der Valuten in ihren gegenseitigen Verhältnissen eine Ver-änderung des Verhältnisses zwischen Münze und Metall bei der ge-stiegenen Valuta hervorbringen?

Die Goldwährung ist z. B. eineüberwertige Valuta" wennman das Wort überhaupt gelten lassen will; denn sie ist im Verhältniszu allen andern Valuten während der letzten Jahrzehnte erheblich ge-stiegen. Die angeblichen Folgen der überwertigen Valuta habeu sich abernirgends gezeigt.

Will man zu einer Erklärung gelangen, dann muß man sich vorAugeu halte», daß der Wert des gemünzten Geldes nur um die geringenKosten der Einschmelzung bezw. Affinierung niedriger sein kann, als derWert des ungemüuzten Nohmetalls,

Wenn der thatsächliche Silberpreis um mehr als die Affiuierungs-kosten geringer war, als der gesetzliche Feingehalt des Thalers, dannmüssen wir daraus schließen, daß der thatsächliche Feingehalt des Thalersgeringer war als sein gesetzlicher Feingehalt,

Die Tabelle S. 104 ergiebt in der That, daß infolge der Abnutzuugim Umlauf die Thalerstücke, welche vor 18S3 geprägt waren, um