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ihnen anormal hoch erscheinenden Preisen Wechsel auf das Ausland zurVerfügung, welche auf ausländische Banken gezogen waren, ohne daß einWarengeschäft zu Grunde lag, lediglich in der Absicht, sie später beiden bestimmt erwarteten niedrigeren Kursen decken zu können, wobei dieDifferenz zwischen dem hohen und niedrigen Kurs ihnen einen Gewinnabgeworfen hätte.
Diese internationalen Spekulationswechsel sind im allgemeinen einesehr nützliche Einrichtung. Sie vermitteln, wie jede gesunde Spekulation,einen Alisgleich zwischen Gegenwart und Zukunft. Sie verhindern einallzu hohes Steigen der Wechselkurse, indem sie bei starker Nachfrage aufden Markt kommen uud das Angebot verstärken; sie verhindern späterein allzu tiefes Sinken der Kurse, indem sich die betreffenden Banken beisinkender Nachfrage nnd steigendem Angebot ausländischer Wechsel zudeckeu suchen und dadurch die Nachfrage verstärken.
In den letzten Jahren vor dem deutsch -französischen Krieg beruhtediese Spekulation jedoch auf eiuer Verkennung der wahren Sachlage.Das Steigen des Wechselkurses auf England beruhte nicht auf eiuermomentan ungünstigen Zahlungsbilanz, es war also nicht ein zeit-weiliges Steigen über Pari, dem bald wieder ein Sinken unter Parifolgen mußte, sondern eine Veränderung des Pari selbst, infolge desSinkens des Silberpreises.
Hier war es nicht nur möglich, daß der erwartete Rückgang derWechselkurse ausgeblieben wäre, sondern es war sogar ein weiteres Steigender Wechselkurse infolge eines weiteren Rückganges des Silberpreises durch-aus uicht ausgeschlossen.
Dieser letztere Fall wäre jedenfalls von schweren Folgen für die be-teiligten Banken begleitet gewesen, und auch eine schlimme Rück-wirkung auf das ganze deutsche Geldwesen hätte nicht ausbleibenkönnen.
Aber die Verhältnisse hatten keine Zeit sich zu entwickeln. DerKrieg von 1870 nnd seine Folgen, hauptsächlich die Frankreich auserlegteKontribution, schufen Bedingungen, welche die Verhältnisse sür Deutsch-land uuerhört günstig gestalteten, und die deutsche Müuzreform machteschließlich die Wertveränderungen des Silbers definitiv bedeutungslos fürdas deutsche Geldwesen.
Wenn wir die gesamte Entwickelung während der letzten zwanzigJahre vor der Münzreforin überblicken, dann kommen wir zu dem Er-