Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

- 178

so würde durch die Wiederveräußerung der Goldbestände die Reichsfinanz-verwaltung zum Teil der Vorteile verlustig geheu, welche die niedrigenBeschaffungspreise des Goldes ihr bieten ....

Es folgen nun Ausführungen, welche zum größten Teil wörtlich in die Motivedes dem Reichstag vorgelegten Gesetzentwurfs übergegangen sind, auf deren ausführ-liche Wiedergabe hier also verzichtet werden kaun.

Diese Ausführungen beziehen sich auf die Unbeliebtheit der Goldkrone, dereinzigen Goldmünze, welche seit dem Wiener Münzvertrag von 1W7 geprägt werdendurfte. Die Folge der Unmöglichkeit, der Krone Eingang in den deutschen Verkehrzu verschaffen, sei gewesen, daß der Verkehr auf dienicht nur für größere Zahlungen,sondern selbst für den täglichen Verkehr unbequemen Silbermünzen angewiesen sei".Dadurch sei eine übermäßige Zirkulation pavierner Umlaufsmittel begünstigt worden,für deren Einschränkung die erste Vorbedingung ein genügender Goldumlauf sei.Die Schaffung eines Goldumlaufs sei deshalb anerkanntermaßen ein dringendesBedürfnis.

Es heißt nun weiter:

Die wesentliche Schwierigkeit der Frage: wie dieser Umlauf zu ge-stalteu sei, lag bisher darin, daß zu viele Probleme auf einmal gelöstwerden sollten. Es sollte mit einem Schlage die Herstellung eines ein-heitlichen Münzsvstems in Deutschland , die Einführung der reinen Gold-oder der Doppelwährung und der Anschluß an das, aus dem gemeinsamen25-Frankenstück beruhende Programm einer internationalen Übereinstimmungim Münzwesen vorgenommen werden.

Namentlich die internationale Rücksicht stellte der Lösung der Münz-frage eine besondere Schwierigkeit entgegen, denn die geforderte Über-einstimmung der für Deutschland zu schaffenden Goldmünze mit dem25-Frankenstück und der neu einzuführenden Rechnungsmünze (Gulden)mit Vio dieser Goldmünze, würde uns die Notwendigkeit auferlegt haben,die Geldbeträge des bisherigen 30-Thaler- oder 45-Guldenfußes in Geld-werte nach einem neuen Guldenfuße umzurechnen, dessen Gulden um1'/4°/o wertvoller gewesen wäre, als der Gulden des 45-Guldenfußes.

Die deutschen Regierungen haben bisher gegenüber den von Frank-reich ausgegangenen, auf eine internationale Münzeinigung gerichtetenBestrebungen eine abwartende Haltung bewahrt. Man verkannte zwarnicht den Wert eines universellen Münzsystems, glaubte aber nicht an-erkennen zu dürfen, daß ein solches in Aussicht sei, so lange nicht Groß-britannien und die Vereinigten Staaten in dasselbe eingetreten wären,und trug Bedenken, durch eine partielle Münzeinigung, wie solche mitFrankreich in Aussicht zu nehmen war, den deutschen Geldumlauf in eineAbhängigkeit von der Münz - und Papiergeldpolitik anderer Staaten zu