Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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keiten des Übergangszustandes, in welchem sich das deutsche Geldwesenbefand, beträchtlich erhöhen.

I. Die Geldbeschaffung aus den Mitteln der Kriegskosten-Entschädigung.

Die französische Kontribution, welche der Reichsregierung so gewaltigeMittel zur Beschaffung des für die Goldwährung nötigen Goldes in dieHand gab, mußte, von den aus ihren Mitteln bewirkten großen Gold-ankäufen der deutschen Regierung abgesehen, an und für sich schon einegewaltige Erschütterung des Geldmarktes hervorrufen.

Auf welche Weise und in welcher Form auch immer die Übertragungder gewaltigen Summe von fünf Milliarden Franken an Deutschland erfolgen mochte: die Notwendigkeit großer Anleihen der französischenRegierung, die Notwendigkeit der Ansammlung großer Summen in denKassen Frankreichs vor den einzelnen Zahlungsterminen, die Unmöglichkeit,die übertrageneil Summen sofort aus den Kassen der Reichsregierung demfreien Verkehr zurückzuerstatten diese Verhältnisse stellten allein schoneine ungewöhnliche Anspannung des Geldmarktes in Aussicht.

Dazu kam der mächtige Aufschwung der gesamten Volkswirtschaftin fast allen Ländern Europas und in den Vereinigten Staaten , welchergleichfalls an den Geldmarkt außerordentliche Ansprüche stellte.

Die Reichsregierung hatte also auf einem überaus schwierigen Bodenzu operieren; das darf bei der Beurteilung ihrer Maßregeln nicht ver-gessen werden. Die Versuchung liegt nahe, ihr die Verantwortlichkeitfür Ereignisse aufzubürden, welche mit Notwendigkeit aus den gegebenenVerhältnissen folgten, uud namentlich den zur Goldbeschaffung ergriffenenMaßregeln die Schuld an Erschütterungen des Geldmarktes zuzuschreiben,deren wahrer Grund in der Übertragung der fünf Milliarden lag.

Die französische Kontribution beherrschte den Geldmarkt, ehe dieReichsregierung an die Goldbeschaffung dachte.

Frankreich war gezwungen, auf alle Weise Zahlungsmittel fürDeutschland aufzutreiben. Obwohl der Zwangskurs der Noten der Bankvon Frankreich einen Teil der französischen Metallzirkulation verfügbarmachte, war doch nicht daran zu deukeu, auch uur einen erheblichen Teilder Kontribution in Metallgeld abzutragen. Der größte Teil konntenur in Form von Forderungen (von Wechseln oder Bankanweisungen)übertragen werden.