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Regierung bemühe sich wohl, einen Druck auf deu Geldmarkt zu ver-meiden, habe damit aber nur wenig Erfolg.
Die Bank von England ging diesesmal frühzeitig mit Diskont-erhöhungen vor. Der starke innere Geldbedarf, die Hartnäckigkeit derdeutschen Goldnachfrage, die gewöhnliche starke Abnahme der Goldzufuhraus Amerika während des letzten Quartals ^, wirkten zusammen, umscharfe Maßregeln notwendig erscheinen zu lassen.
Sie erhöhte Anfang Oktober 1872 ihren Diskont auf 5 ",o und balddarauf auf 6 °/o. Als ihr der Geldmarkt nur zögernd folgte, zwang sieihn durch starke Geldentziehungen im Wege der Lombardierung ihrerRegierungssicherheiten, ein der Bank von England eigentümliches Mittel,um dem Markte ihren Willen aufzuerlegen.
Trotzdem infolge des hohen Diskantes Gold aus dem Ausland,namentlich aus Frankreich, nach England floß, trat keine Erleichterungein, denn Deutschland nahm alle Zufuhren weg; dagegen vermied es dieReichsregierung bei der gespannten Lage des Geldmarktes sorgfältig, dieReserve der Bank von England durch Goldentziehungen zu schwächen.
In der ersten Novemberhälfte wurde in London 6V2 °/o für Be-leihungeu auf englische Schatzauweisuugen, 7 °/o für Beleihungen andererenglischer Staatspapiere gezahlt. Die offizielle Minimalrate der Bankwar bis zum 9. November 6 °/o, der thatsächlich geforderte Diskont waraber nach dem Ekonomist näher an 7 °/u als an 6 °/o. Am 9. Novembererfolgte die Erhöhung des offiziellen Minimalsatzes auf 7 °/o. Der Markt-diskont für Dreimonatswechsel stieg auf 7^2 bis 8 "/».
Das veranlaßte die Reichsregierung, ihre Goldbeschaffung zu unter-breche!?. Die Diskontbewegung in London hatte die Wechselkurse sobeeinflußt, daß der November-Durchschnitt des Berliner Kurses auf London (auf Sicht reduziert) 6 Thaler 24Vs Silbergroschen ergiebt; er stand also,trotz des Fortdauerns der französischen Zahlungen, über der Goldparität.
Um die ununterbrochene Thätigkeit der deutschen Münzstätten zu er-möglichen, wurden diese angewiesen, sich ausschließlich mit der Prägungvon 10-Markstücken zu beschäftigen.
Die Wirkung des hohen englischen Diskonts war ein wesentlicherGoldzufluß aus dem Ausland. Selbst die Vereinigten Staaten sendetenzu dieser ungewöhnlichen Zeit größere Summen, und der Goldiinport