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aus Frankreich nahm einen beträchtlichen Umfang an ^. Ja sogar Deutsch-land gab Gold an England ab. Die englische Statistik verzeichnet fürdas letzte Quartal 1872 eine Goldeinfuhr aus Deutschland von etwa300.000 F, und der „Ekonomist " vom 16. September berichtet, daß derBank von England 101.000 F Gold aus Hamburg zugeflossen seien.Es folgte eine kleine Summe neuer Reichsgoldmünzen ^.
Infolge dieser Goldzuflüsse trat eine Beruhigung des LondonerMarktes ein, und die Bank setzte ihren Diskont allmählich wieder herab.
Deutschland zog aus der Besserung der Lage Vorteil, indem es An-fang Dezember für etwa 1 Million Pfund Sterling Gold kaufte.
Eine Vergleichung des Umfangs der deutschen Goldbeschaffungen undder Bewegungen des Geldmarktes in den einzelnen Quartalen des Jahres1872 ist höchst lehrreich dafür, daß die deutsche Goldnachfrage, so wichtigund umfangreich sie auch war, doch nicht den unbedingt ausschlaggebendenFaktor für die Bewegungen des englische!? Geldmarktes darstellte.
Im zweiten Quartal bewirkte eine über zwei Monate verteilte Gold-entziehung von kaum I Vs Millionen Psund Sterling eine Diskonterhöhungauf 5 °/o. Im dritten Quartal dagegen, welches eine Goldausfuhr nachDeutschland von 3^/2 Millionen Pfund Sterling aufweist, kam die Bankvon England mit einer Rate von 3Vs °/o aus. Das vierte Quartal zeigteine Mehrausfuhr von Gold nach Deutschland von 2,7 Millionen PfundSterling; dabei stieg der Bankdiskont in London auf 7 °/o, der Markt-diskont bis zu 8 °/o.
Daraus geht hervor, daß die deutschen Goldankäufe selbst in jenerZeit, in welcher sie am umfangreichsten waren, den englischen Geldmarktnicht beherrschten, daß vielmehr neben ihnen die anderen Faktoren, welchein normalen Zeiten die Bewegungen des Geldmarktes bestimmen, maß-gebend blieben, in diesem Falle vor allem die Steigerung des inuerenGeldbedarfs infolge des allgemeinen Aufschwungs, dazu der regelmäßigeHerbstbedarf und das Ausbleiben oder die Verminderung der Goldzufuhraus Amerika während des letzten Quartals.
Die deutschen Goldkäufe wurden in großem Umfange wieder auf-genommen, als zu Beginn des neuen Jahres (1873) auf den, englischenMarkte wieder verhältnismäßige Geldflüssigkeit eintrat und die Bank von
1 Er überstieg im vierten Quartal 1872 den Betrag von 1^/2 Mill- Psund Sterling.
2 „Lut llvt- snouAli to illcliLÄts tkat anv <zuÄlltit^ is likslz^ to eoras."Monomist vom 23. Nov. 1872.)