Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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England mit ihrem Diskont allmählich bis ans 3^/2 °/v herabging. Die-deutschen Münzstätten wurden angewiesen, sich nun wieder ausschließlich,mit der Prägung von 20-Markstttcken zu beschäftigen.

Im zweiten Quartal 1873 traten Ereignisse ein, welche den inter-nationalen Geldmarkt auf das schwerste erschütterten. In Österreich und inDeutschland kam die furchtbare Krisis zum Ausbruch, welche das notweudigeEnde der ins Unsinnige gewachsenen Spekulation war. Die ganze civili-sierte Welt wurde in Mitleidenschaft gezogen, die einzelnen Länder inverschiedenem Grade, je nach dem Verhältnis, in welchem sie an denAusschreitungen der Spekulation beteiligt waren. Besonders heftig be-troffen wurden außer Deutschland und Österreich die Vereinigten Staaten .

England blieb von dem Schrecken der eigentlichen Börsenkrisis ziem-lich verschont. Aber die Lage der übrigen Geldmärkte wirkte sehr starkauf London zurück.

Vor allein blieb die Goldzufuhr aus Amerika völlig aus.

Dann fanden erhebliche Transaktionen in Wertpapieren statt. Diekontinentalen Staaten gaben große Mengen von Effekten an England ab,und zwar nicht nur die von der Spekulatiouskrisis iu erster Linie be-troffenen Länder, sondern auch Frankreich .

Frankreich scheint Wertpapiere hauptsächlich als Deckung für die aufenglische Häuser gezogenen und uach Deutschland verkauften Kreditwechselnach London gesendet zu haben.

Deutschland setzte, trotz der schwierigen Marktlage, seine Goldankäufefort. Nach der englischen Statistik wurden im ersten Quartal 1873 etwa2 Millionen, im zweiten Quartal über 3 Millionen Pfuud Sterling Goldnach Deutschland exportiert, und diese Goldausfuhr dürfte fast ausschließ-lich auf Goldankäufen der Neichsregiernng beruhen.

Die Bank von England fah sich abermals zu strammen Diskont-maßregeln genötigt; sie ging mit ihrem Diskont bis auf 7 °/u in dieHöhe (Anfang Juni). Als Grund für diese starke Diskonterhöhung nenntder Ekonomist nicht die deutschen Goldbezüge, sondern die starken In-vestierungen iu fremden Wertpapieren,

Unter diesen Verhältnissen war die endliche Annahme des Münz-gesetzes, dessen Scheitern während mehrerer Wochen nicht ausgeschlossenerschien, für die Neichsregiernng eine willkommene Gelegenheit, ihre Gold-ankäuse in Loudon zu unterbrechen. Nunmehr konnte man an die Aus-prägung der Neichsscheidemünzen denken, nud bei der gewaltigen Summevon Reichsgoldmünzen, welche bereits zur Ausprägung gelaugt waren